Wolfgang Schäuble : Rücktritt ist kein Thema

Der gesundheitlich angeschlagene Finanzminister Schäuble fällt als Krisenbewältiger immer wieder aus. Die Kanzlerin hält weiter zu ihm.

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Wolfgang Schäuble
Wolfgang SchäubleFoto: dpa

Berlin - „Der Bundesfinanzminister ist Bundesfinanzminister – er schont sich noch einige Tage.“ Es sind Sätze wie diese, die in normalen Zeiten eine schlichte Selbstverständlichkeit wären – die allerdings in letzter Zeit immer mehr wie verharmlosende Berichte klingen und gerade deshalb seit Sonntagnachmittag die Skepsis der Öffentlichkeit zunehmend herausfordern.

Denn es geht um Wolfgang Schäuble. Und damit nicht um irgendwen. Und es geht um die Frage, ob Deutschland und seine Regierung in der Krise, die die Europäische Union und ihre Währung in diesen Monaten zu bestehen hat, politisch handlungsfähig ist. Was sie zweifellos nicht wäre, wenn ausgerechnet der Finanzminister des größten Euro-Landes nicht einsatzfähig ist. Hat Schäuble die Kraft für die Herkulesaufgabe, in der er steckt und deren Bewältigung über die Zukunft des Euro bestimmt? Oder muss er seiner Gesundheit Tribut zollen?

Schäuble konnte am Sonntag die Verhandlungen der europäischen Finanzminister um das 750-Milliarden-Euro-Hilfspaket zur Beruhigung der Märkte nicht führen. In Brüssel musste er urplötzlich ins Krankenhaus gebracht werden. Eine Medikamentenunverträglichkeit, die dem 67-jährigen querschnittsgelähmten Politiker massiv zugesetzt hatte. Und zwar bereits zu Beginn der Gespräche, an denen zwar auch sein Staatssekretär Jörg Asmussen teilnahm. Der allerdings hatte keine Prokura für den bis zum Abend notwendigen Abschluss. In einer Notaktion musste Innenminister Thomas de Maizière aus Berlin anreisen.

Es war nicht das erste Mal, dass Asmussen den Minister in der Krise vertreten musste. An mehreren Treffen der Euro-Ressortchefs und Treffen internationaler Staatengruppen konnte Schäuble nicht teilnehmen, weil er in den letzten Monaten schwer daran zu tragen hatte, die partout nicht heilende Wunde nach einer Operation in den Griff zu bekommen. Wer ihn beobachtete, wie er das Krankenbett zwischendurch verließ, um im Bundestag präsent zu sein, sah einen sichtlich Geschwächten. Schäuble selbst erklärte jedoch, zuletzt in der vergangenen Woche bei der Vorstellung der Ergebnisse der Frühjahrs-Steuerschätzung, er sei wieder fit. Nicht mal ein Schriftstück wollte er sich von seinem Sprecher, Michael Offer, heraussuchen lassen. Man könnte denken, er sei so krank, dass er nicht mal seine Papiere im Griff hat, witzelte Schäuble.

Nach Schäubles erneutem Ausfall sagte die Kanzlerin am Montag, dem Minister gehe es „schon besser“, und aus seinemUmfeld hieß es, er werde am Mittag nach Berlin zurückkehren und an der Sondersitzung des Kabinetts am Dienstag teilnehmen. Lediglich konsultieren wolle er seine Hausärzte, um die Ursachen der Medikentenunverträglichkeit zu ergründen.

Die Ärzte allerdings haben Schäuble erneut zur Ruhe gemahnt. Wozu ihn Angela Merkel bei einem Telefonat ausdrücklich „ermutigt“ habe, wie sie es nannte. Haben die beiden auch über einen möglichen Rücktritt gesprochen? Wohl nicht. „Überhaupt keine Thema“ sei das im Gespräch der Regierungschefin mit ihrem Minister gewesen, sagt dessen Sprecher. Denn „der Bundesfinanzminister ist Bundesfinanzminister“.

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