WOLFGANG ISCHINGER : „Krieg wäre der Bankrott der Politik“

17.02.2012 00:00 Uhr
W. Ischinger Foto: dapd
W. Ischinger - Foto: dapd

Wie wahrscheinlich ist ein israelischer

Angriff auf iranische Nuklearanlagen?

Trotz viel Säbelrasselns auf beiden Seiten ist ein Angriff eher unwahrscheinlich. Er würde nicht zum militärischen Erfolg, also zum Sieg einer Seite, sondern zu einem Nullsummenspiel führen. Es gäbe Verlierer auf allen Seiten, selbst wenn das iranische Nuklearprogramm dadurch um etliche Jahre zurückgeworfen werden könnte.

Was folgt aus der deutschen Unterstützungszusage für Israel?

Jedenfalls kein Automatismus zum militärischen Eingreifen! Denkbar erscheinen politisch-militärisch-defensive Unterstützungsleistungen, wie sie auch schon früher erbracht wurden, etwa im Golfkrieg.

Klar muss dabei freilich sein, dass Deutschland nichts tut oder erklärt, was als Vorab-Billigung eines militärischen Präventivschlags gegen den Iran gewertet werden könnte.

Müsste Deutschland in diesem Fall Israel militärisch beistehen – und wie?

Jedenfalls dürfte es keine Teilnahme an offensiven militärischen Handlungen geben – solange dafür kein Mandat des UN-Sicherheitsrates vorliegt! Massive (defensive) Verteidigungshilfe an Israel wäre aber nicht nur möglich, sondern angesichts der Erklärungen der Bundesregierung auch, fast zwingend, geboten. Ich denke an Patriot-Raketen, Hilfe zur Abwehr von ABC-Angriffen oder Radar- Unterstützung.

Sollte sich die Bundesregierung auf

diesen Fall vorbereiten, oder tut sie das nach Ihrer Kenntnis schon?

Die Bundesregierung muss immer für den „Worst Case“ planen. Sie tut das auch hier, aber ohne die Planungsüberlegungen öffentlich zu diskutieren. Das ist – zu Recht – Geheimsache.

Ist in diesem Fall auch mit nicht symmetrischen Reaktionen des Iran zu rechnen, wie etwa Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus oder Anschlägen islamistischer Terrorgruppen?

Ja, eine Eskalation mit katastrophalen Folgen wäre nicht auszuschließen. Deshalb ist es so wichtig, dafür zu sorgen, dass wir für den Fall des Scheiterns der gegenwärtigen Sanktionspolitik nicht ausschließlich auf die Option Krieg angewiesen sind. Das wäre der Bankrott der Politik, der Diplomatie. Könnte der Iran gegebenenfalls durch Abschreckung und Containment, ähnlich wie früher die Sowjetunion, als Nuklearmacht neutralisiert werden? Das ist eine der Fragen, die sich stellen. Sicher kein erfreuliches Szenario, sogar ein sehr unbefriedigendes Szenario, aber vielleicht immer noch besser als Krieg, dessen schreckliche Konsequenzen, wie wir seit Clausewitz wissen, nicht absehbar sind!

Wolfgang Ischinger leitet

die Münchner Sicherheitskonferenz.

Das Gespräch führte Hans Monath.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite