Politik : „Wolfowitz an seinen Taten messen“

Stephanie Lob

Brüssel - Trotz der weltweiten Bedenken hat das Direktorium der Weltbank den bisherigen US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz zum neuen Direktor der mächtigen Finanzorganisation gewählt. Der 61-jährige erhielt am Donnerstag in Washington das erforderliche einstimmige Votum des 24-köpfigen Gremiums, teilte die Weltbank mit. Wolfowitz bekannte sich zum Auftrag der Weltbank, die Armut in der Welt zu verringern. Sein neues Amt als Nachfolger von James Wolfensohn soll der 61-jährige am 1. Juni antreten.

In Europa ist die Ernennung von Paul Wolfowitz von Kritik, aber auch von Hoffnungen begleitet worden. „Kriegstreiber gehören nicht an die Spitze von multilateralen Organisationen“, sagte der Weltbank-Experte der Globalisierungskritiker von Attac, Philipp Hersel, dem Tagesspiegel. Brüsseler Diplomaten hoffen dagegen, dass Wolfowitz sein Hardliner-Image im neuen Amt ablegt.

Erst am Mittwoch hatten Vertreter der EU-Staaten Wolfowitz in Brüssel trotz vorheriger Skepsis die Zustimmung ihrer Regierungen in Aussicht gestellt. „Alle sind sich einig: Man muss den Mann an seinen Taten messen“, verteidigte ein Diplomat die Entscheidung.

Zuvor hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) betont, auch wenn in Europa „keine Begeisterung“ über Wolfowitz herrsche, so werde dessen Ernennung nicht an Deutschland scheitern. In Brüsseler Diplomatenkreisen wird nicht ausgeschlossen, dass sich Berlin im Gegenzug die Unterstützung der USA für einen ständigen deutschen Sitz im UN-Sicherheitsrat verspricht. Paris hofft zudem, einen französischen Stellvertreter für Wolfowitz durchboxen zu können. Wolfowitz ließ aber offen, ob solche Forderungen Aussicht auf Erfolg haben.

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