Politik : Wollte Aznar sich einen Orden kaufen?

Ralph Schulze

Madrid - Es war einmal ein Regierungschef von Spanien, der wollte aus seinem Land „eine der großen Nationen der Welt“ machen. Und aus sich entsprechend einen der größten Staatsmänner der Welt. Doch die Wirklichkeit hielt mit diesem Plan, den sich der Konservative Jose Maria Aznar in seinem Amtspalast ausgedacht hatte, offenbar nicht Schritt. Und so beschloss der Spanier, der Ehre nachzuhelfen.

Wie der spanische Radiosender „Cadena Ser“ berichtete, hatte die konservative spanische Regierung Ende des Jahres 2003 ein amerikanisches PR-Büro beauftragt, den Ruf Spaniens und jenen des dazugehörigen Ministerpräsidenten in den USA aufzupolieren. Und zwar mit Steuergeldern. Insgesamt zwei Millionen Dollar wurden einer prominenten amerikanischen Lobby-Agentur zugesagt, damit sie in den Machtzentralen in Washington entsprechend Druck ausübt.

Teil des Auftrages war auch, wie spanische Medien berichten, Aznar die höchste Auszeichnung der USA zu verschaffen: Die Gold-Medaille des Kongresses, mit der zuvor etwa der britische Premier Tony Blair, Papst Johannes Paul oder Mutter Teresa geehrt worden waren. Es scheine so, empört sich sogar Spaniens konservative Presse, als ob Aznar „der Lockung des Größenwahns“ erlegen sei.

Die US-Agentur, so wird berichtet, habe im Kongress binnen weniger Monate mehr als 300 Abgeordnetenunterschriften für Aznars Auszeichnung gesammelt. Verliehen wurde der golden glänzende Orden dennoch nicht, denn Aznars Ansehen begann wieder zu bröckeln. Etwa durch die überraschende Wahlniederlage seiner Konservativen in am 14. März, nur drei Tage nach dem verheerenden Terroranschlag in Madrid. Und durch den im parlamentarischen Untersuchungsausschuss erhärteten Verdacht, dass Aznar nach dem Attentat aus wahltaktischen Gründen angeordnet hatte, der Öffentlichkeit zunächst die Wahrheit über die arabischen Täter des Massakers zu verbergen.

Aznar selbst ließ verlauten, er habe niemals öffentliche Gelder für eigene Interessen eingesetzt. In einem Interview mit der Tageszeitung „La Razon“ kündigte er rechtliche Schritte gegen diese „Verleumdung“ an.

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