Politik : Wollten Terroristen Mord filmen?

Matthias Thibaut

London - Die britische Antiterrorpolizei hat offenbar eine brutale Entführung verhindert, als sie am Mittwochmorgen bei Razzien in Birmingham acht Männer verhaftete. Ein neunter Mann wurde später auf der Autobahn festgenommen. Nach Berichten aus Sicherheitskreisen standen die Verschwörer kurz davor, einen muslimischen Soldat der britischen Armee zu entführen, zu foltern und hinzurichten. Dann wollten sie Videos mit der Tat im Internet verbreiten. „Wir stehen erst am Anfang einer großen Untersuchung“, sagte der Leiter der Ermittlungen, David Shaw von der West Midland Polizei. Zu den Tatvorwürfen nahm er keine Stellung. Er warnte vor Spekulationen, die einen späteren Prozess erschweren könnten. Die Polizei arbeite seit Monaten an den Ermittlungen und habe die Razzien penibel vorbereitet.

„Wenn es stimmt, ist diese neue Form des Terrors zutiefst beunruhigend“, sagte der muslimische Labourabgeordnete Kahlid Mahmoud. Vorbild einer solchen Tat wären die Entführungen von Ken Bigley und Margaret Hassan. Beide Briten wurden 2004 im Irak ermordet, der Film von Bigleys Enthauptung zirkulierte im Internet. Als Verhaftungsgrund gab die Polizei „Verdacht auf Anstiftung und Vorbereitung von terroristischen Akten“ an. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung – ein Hinweis, dass es zum ersten Mal bei einer britischen Terrorverschwörung nicht um Massenmord ging.

Ziel der Aktion wäre die Demoralisierung insbesondere der mehr als 300 Muslime in der britischen Armee. Kontroversen hatte bereits der Tod des ersten muslimische Soldat im Afghanistankrieg im vergangenen Jahr ausgelöst. Korporal Jabron Hashimi habe sein Leben für seine muslimischen Brüder geopfert, sagten seine Eltern. Doch Hassprediger verurteilten ihn als Feind der Muslims und priesen die Taliban, die ihn töteten.

In Großbritannien gilt die zweithöchste Terroralarmstufe, laut der ein Anschlag „wahrscheinlich“ ist. Laut Geheimdienstchefin Eliza Manningham-Buller werden derzeit 30 laufende Verschwörungen und mehr als 1600 Verdächtigte würden überwacht.

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