Politik : Woran sie glauben (Kommentar)

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Worauf dürfen wir hoffen? Dass die Zeit die Wunden heilt und eine nächste Generation von Serben und Albanern lernt, im Kosovo zusammenzuleben? Vielleicht. Dass der Aufbau des Landes beschleunigt, ein ziviler Alltag bald möglich sein wird? Kann sein. Dass Slobodan Milosevic doch noch von der Opposition gestürzt wird? Eher unwahrscheinlich. Die Wahrheit ist so einfach wie bitter: Knapp ein Jahr nach Beginn des Nato-Luftkrieges gegen das Regime in Belgrad weiß keiner, wie es im Kosovo weitergehen soll. Es mangelt zwar nicht an Hoffnungen, aber es gibt keine Indizien, die Zuversicht erlauben. Besonders plastisch wird die Situation in der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica. Hier hat das ethnisch motivierte Morden Hochkonjunktur. Nur mit Mühe gelingt es den KFOR-Soldaten, größere Massaker zu vereiteln. Den Soldaten freilich lässt sich kein Vorwurf machen. Das Übel ist politischer Natur. Es fehlt das Ziel. Es fehlt die klare Vorstellung davon, was aus dem Kosovo werden soll - eine autonome Republik innerhalb Jugoslawiens, ein souveräner Ministaat, ein Anhängsel Albaniens? Und weil niemand sich an die Beantwortung dieser Frage herantraut, werden all jene in ihrem Treiben ermuntert, die Einfluss auf die Entscheidung nehmen wollen. Im Kosovo gilt: Wer nicht weiß, woran er ist, kämpft für das, woran er glaubt. Worauf wir hoffen dürfen? Dass es nicht noch weiter eskaliert.

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