Wortlaut-Dokumentation : Metzgers Abschied

Der Grünen-Finanzexperte, Oswald Metzger, hat seine Drohung wahr gemacht und ist aus der Partei ausgetreten. Auf seiner Homepage verabschiedet er sich und gibt einen Ausblick auf seine zukünftigen Pläne.

StuttgartMit dem heutigen Tag beende ich nach beinahe 21 Jahren meine Mitgliedschaft bei den Grünen. Ich kündige gleichzeitig meine Mitgliedschaft in der Landtagsfraktion der Grünen in Stuttgart auf. Mein Mandat, das ich im März 2006 durch ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis von den Wählerinnen und Wählern im Wahlkreis Biberach als Kandidat der Grünen erhalten habe, werde ich spätestens innerhalb des nächsten halben Jahres zurückgeben. Nachfolger wird mein Grüner Ersatzbewerber Eugen Schlachter. Bis zu meinem Austritt aus dem Landtag werde ich als fraktionsloser Abgeordneter arbeiten. Die machtpolitischen Mehrheitsverhältnisse im Landtag will ich nicht ändern.

Diese Übergangsphase werde ich nutzen, um meine freiberufliche Tätigkeit als Publizist wieder verstärkt aufzunehmen. Dazu brauche ich etwas Zeit. Es wird sicher auch Monate dauern, mich innerlich von der langen Zeit bei den Grünen tatsächlich zu verabschieden. Deshalb ist es ein Gebot der Vernunft (und des Gefühls!), nicht einfach schnurstracks das Parteibuch zu wechseln. Dass ich mich wieder auf der bundespolitischen Ebene engagieren will, ist kein Geheimnis. Allerdings weiß ich noch nicht, für welche andere Partei ich mich entscheiden werde. Ich habe mich jedenfalls gefreut – jenseits der instrumentellen Vereinnahmungsrituale – in den letzten Tagen von Unions- und FDP-Politikern eine persönliche Wertschätzung erfahren zu haben, die in deutlichem Kontrast zur Geringschätzung meiner Person und meiner inhaltlichen Positionen bei den Grünen steht.

Eine jahrelange programmatische und persönliche Entfremdung wurde letztlich auf dem Parteitag der Grünen in Nürnberg nur für die breite Öffentlichkeit dokumentiert. Ich sehe mich als Überzeugungstäter, der den klassischen Politikritualen kritisch gegenübersteht: Ich finde Lösungsansätze auch dann gut, wenn sie von konkurrierenden Parteien kommen. Und ich kritisiere unfinanzierbare Wunschvorstellungen auch dann, wenn sie von der eigenen Partei stammen. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger im Land nichts sehnlicher wünschen als eine Politik, die sich jenseits von Ideologie und Opportunismus der Lösung von Problemen verschreibt – und sich im besten Wortsinn am Gemeinwohl orientiert.

Ich danke vielen Weggefährten bei den Grünen für ihre Unterstützung in langen Jahren – stellvertretend Winfried Kretschmann. Doch der Weg der Grünen führt in einem atemberaubenden Tempo weg vom ökologischen Imperativ, der sich für mich im Satz manifestiert: "Gattung Mensch, lebe so, dass die, die nach uns kommen noch ein gutes Leben haben können!" Deshalb werden sich unsere Wege jetzt trennen müssen. Ich kann nicht länger eine Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik vertreten und die Grünen im bürgerlich-liberalen Lager wählbar halten, wenn diese Partei das unfinanzierbare Wolkenkuckucksheim zum Programm-Maßstab erhebt. (Oswald Metzger)

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