Politik : Wowereit: Lafontaine soll SPD verlassen

Verhalten „hoch unsolidarisch“ / Auch Parteilinke kritisieren Kanzlerattacke des Ex-Vorsitzenden

Sabine Beikler,Antje Sirleschtov

Berlin - Die Angriffe des früheren SPD- Chefs Oskar Lafontaine auf Bundeskanzler Gerhard Schröder und dessen Reformpolitik sind auf scharfe Kritik innerhalb der Sozialdemokratie gestoßen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, forderte Lafontaine auf, die Partei zu verlassen. Dem Tagesspiegel sagte er am Sonntag: „Das Verhalten von Lafontaine ist hoch unsolidarisch. Dann sollte er die Konsequenzen ziehen und aus der SPD austreten.“ Fraktionsvize Michael Müller, auch Sprecher der parlamentarischen Linken, ermahnte Lafontaine, sich mit eigenen programmatischen Thesen der Diskussion zu stellen. „Das rückwärtsgewandte Gequatsche muss aufhören.“ Gemeinsam warnten Müller, Juso- Chef Björn Böhning und SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles: „Lafontaine dreht an der Schraube der Konfrontation und nimmt damit eine verhängnisvolle Zersplitterung der politischen Linken in Kauf.“ Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Hans-Peter Kemper, sagte laut „Welt“: „Verabschiedet sich Lafontaine nicht von allein, muss er aus der SPD ausgeschlossen werden.“

Der 1999 als SPD-Chef zurückgetretene Lafontaine wirft Schröder im „Spiegel“ Wahlbetrug vor, kritisiert die Reformpolitik der Regierung und fordert den Rücktritt des Kanzlers. „Es geht mit Schröder nicht mehr“, sagte Lafontaine und hielt ihm vor, für die „Spaltung der Partei“ verantwortlich zu sein. Er verlangte eine Kurskorrektur und drohte, andernfalls linke Wahlalternativen zu unterstützen.

SPD-Chef Franz Müntefering wies die Kritik als „eitel und unsolidarisch“ zurück. Er warf Lafontaine vor, ohne Rücksicht auf die SPD-Landesverbände, die im Wahlkampf stünden, Schröder und die Politik der SPD zu diffamieren. Wer sich verhalte wie Lafontaine, „der hat dauerhaft den Anspruch verwirkt, verantwortlich für die Idee der Sozialdemokratie und für die deutsche Sozialdemokratische Partei zu sprechen".

In der Berliner SPD hieß es, man werde erleichtert sein, sollte Lafontaine der SPD den Rücken kehren. Mit seinen Angriffen erreiche er genau das Gegenteil, nämlich einen hohen Solidarisierungseffekt mit Schröder. Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas, Spitzenkandidat bei der Landtagswahl am 5. September, wollte sich nicht zu Lafontaines Vorstoß äußern.

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