Politik : Wowereit: Schering muss bleiben

Merck hält an Übernahme fest / Berlins Bürgermeister ist mit beiden Unternehmen im Gespräch

Darmstadt/Berlin - Die drohende Übernahme von Schering durch den Darmstädter Konkurrenten Merck beschäftigt jetzt auch die Politik. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will sich für den Erhalt des Berliner Konzerns einsetzen. „Ich bin mit beiden Unternehmensleitungen im Gespräch“, sagte er dem Tagesspiegel am Montag. Der Senat habe ein dringendes Interesse daran, „dass die Schering-Zentrale in Berlin bleibt und die Arbeitsplätze gesichert werden“.

Merck-Aufsichtsratschef Wilhelm Simpson, der die Integration der Unternehmen leiten soll, ist am heutigen Dienstag in Berlin und wird sich mit Wowereit treffen, um über die Konsequenzen der Übernahme zu sprechen.

Auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe er telefoniert, sagte Simpson.

Unterdessen gerät die drohende Übernahme von Schering zum Preispoker. Der Aktienkurs von Schering stieg nach Bekanntwerden der Merck-Offerte am Montag um mehr als 25 Prozent und erreichte zeitweise die Rekordhöhe von 86 Euro. Merck bietet 77 Euro pro Schering- Aktie. Die Merck-Gruppe will mit der Übernahme des Berliner Traditionsunternehmens den führenden deutschen Pharmakonzern schaffen.

Der Finanzmarkt drängt auf ein höheres Angebot. „Die Börse spielt die feindliche Übernahme“, sagte ein Händler, „entweder legt Merck noch drauf, oder ein weiterer Interessent meldet sich.“ Auch der Aufsichtsratschef von Schering, Giuseppe Vita, erwartet ein baldiges Gegenangebot zu der knapp 15 Milliarden Euro schweren Offerte von Merck, die er für zu niedrig hält. „Ohne ein faires Angebot wird es schwer, die Aktionäre zu überzeugen“, sagte er. Vita hofft zudem auf einen „weißen Ritter“, das ist ein Unternehmen, das das Angebot von Merck überbieten könnte. Der Schering-Aufsichtsrat wird Dienstag über das Angebot beraten.

Merck will die Übernahme notfalls auch gegen den Willen von Schering weiterverfolgen. „Wir sind der Meinung, dass wir überzeugende Argumente auf dem Tisch haben“, sagte Merck-Chef Michael Römer am Montag in Darmstadt. Auch wenn Schering-Vorstand und Aufsichtsrat sich von der Offerte nicht überzeugen lassen, will Merck am Übernahmeangebot festhalten und es Ende März den Schering-Aktionären vorlegen. Damit könnte es auch zu einer feindlichen Übernahme kommen. Merck werde seinen Hauptsitz in Darmstadt behalten, Berlin soll aber ein wichtiger Standort bleiben. Einen Stellenabbau schließt Merck nicht aus. „Natürlich wird es in gewissen Bereichen zu Reduktionen kommen“, sagte Römer. Ob der Name Schering erhalten bleibt, ließ der Merck-Chef offen. Es sei aber ein guter Name, mit dem man sorgfältig umgehen werde. Die Schering-Aktie soll mittelfristig von der Börse genommen werden. za/ro/pet/brö

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