Politik : Würste im Schlafrock

Stephan-Andreas Casdorff

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Nach dem Parteitag standen sie am Tisch noch auf ein Glas zusammen, Angela Merkel, die Vorsitzende der CDU und der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, und ihr Erster Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Kauder. Die Geschäfte gehen doch weiter, nach dem Kongress ist vor der Fraktionssitzung. Ein wenig nachsorgende Betrachtung ist da bestimmt nicht von Übel.

Am nächsten Tag sieht man das Ergebnis. Kauder zeigt sich weiter „sehr zufrieden“ mit dem Verlauf des CDU-Parteitags, und da er außerdem Generalsekretär im großen Landesverband Baden-Württemberg ist, fällt sein Wort ins Gewicht. Dass 160 Delegierte nicht im Saal waren, als Merkel zur Vorsitzenden wieder gewählt wurde, erklärt Kauder zum „Regiefehler“ – hier spricht erkennbar einer auch aus Sorge, dass vom Parteitag ein ungünstiger Eindruck zurückbleiben könnte.

Tatsächlich hat Bremens CDU-Chef Bernd Neumann, der Regisseur für diesen Augenblick, den Parteifreunden wenig Zeit gelassen, aus den Wandelgängen zurückzukehren. Draußen lockte ja auch die „Wurst im Schlafrock“, der Lage angemessen. So war schon damit zu rechnen, dass etwa 30 von 678 eingetragenen Delegierten nicht rechtzeitig auf ihrem Platz sein würden. Aber 160? Eine konzertierte Aktion, um Merkel zu schaden? Keine Frage, nein, meint Kauder. Das meint auch CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, Merkels Vize in der Fraktion. Und der war bei der Wahl im Saal anwesend.

Kauder erklärt, dass diejenigen, die einen Kandidaten ablehnen, in der Regel an Wahlen teilnähmen und mit Nein stimmten. Bei Merkel waren allerdings auch das immerhin 50 Delegierte, und weitere 22, die sich enthielten. Der große Vertrauensvorschuss für die neue Führung, von dem Glos spricht – der wird gerade ordentlich herbeigeredet. Außer für Merkels besondere Parteifreunde: Roland Koch und Friedrich Merz. Beide erhalten erheblich mehr Stimmen als Merkel.

Aber bei Tische liest es sich anders. Merz, der Westfale, der am närrischen 11. 11. Geburtstag hat, neigt im Gespräch mit Merkel respektvoll-freundlich seinen Kopf. So will er bleiben, in jedem Fall. Das ist wirklich nicht von Übel.

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