Politik : Wütende Proteste der Kumpel gegen Kohl

Kanzler läßt Steinkohlegespräch mit IG Bergbau platzen Bonn (rtr).Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hat die für Dienstag geplante Kohlerunde mit der Gewerkschaft Bergau und Energie (IGBE) wegen der Bergarbeiter-Proteste in Bonn kurzfristig abgesagt.Kanzleramtsminister Friedrich Bohl nannte ein Ende der Demonstration als Bedingung für weitere Gespräche und sprach von Einschüchterung.Neuer Termin ist der Donnerstag.Die Bergleute reagierten mit wütenden Protesten.Einige stürmten die Bannmeile um das Parlament, wurden aber von der Polizei gestoppt.IGBE-Chef Berger rief zur Besonnenheit auf.Auch an Ruhr und Saar setzten Bergleute die Proteste und Blockaden fort. Bohl sagte, die Gespräche über die künftige Förderung des Steinkohlebergbaus könnten nicht fortgesetzt werden, solange eine erpresserische Atmosphäre herrsche.Inhaltlich halte die Regierung an ihrem Vorschlag fest, die Subventionen für die Kohle von rund neun Milliarden auf 3,8 Milliarden Mark bis zum Jahr 2005 zu kürzen.Das sei ein faires Angebot, sagt Bohl.Mit der IGBE seit für Donnerstag morgen 9 Uhr ein weiteres Gespräch vereinbart worden. Berger warf der Regierung vor, mit ihren Äußerungen und Vorschlägen die Proteste der Kumpel provoziert zu haben.Deshalb seien diese gegen den Rat der Gewerkschaft auf die Straße gegangen.Berger kündigte an, er werde die Bergleute bei einer Kundgebung am Dienstag nachmittag auffordern, Bonn zu verlassen, um eine weitere Kohlerunde zu ermöglichen.Er warnte die Regierung davor, auf den Kürzungen zu bestehen.Wenn es am Donnerstag kein besseres Angebot gebe, würden die Bergleute in Scharen wiederkommen. Die rund 13 000 Demonstranten reagierten empört auf die Absage.In Sprechchören beschimpften sie Kanzler Kohl als Feigling.Einige Hundert kletterten über Polizeibarrikaden und verletzten die Bannmeile, in der Demonstrationen verboten sind.Es kam zu Rangeleien mit der Polizei.Die Fensterscheibe eines Einsatzwagens wurde eingeschlagen.Die Kumpel wurden aber rasch gestoppt.IGBE-Chef Berger forderte seine Kollegen auf, die Bannmeile zuverlassen.Auch Grünen-Fraktionschef Joschka Fischer und die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Matthäus-Maier wirkten in Gesprächen auf die Bergleute ein. Tausende waren bereits am Morgen nach Bonn gekommen, um für eine Beibehaltung höherer Subventionen zu demonstrieren.Rund 100 Kumpel stellten sich in Unterhosen vor die Parteizentrale der FDP und riefen: "Wollt ihr unser letztes Hemd?".Bergleute hatten die Parteizentrale bereits über Nacht blockiert.Im Thomas-Dehler-Haus wurde nach FDP-Angaben eine Fensterscheibe des Sitzungssaales eingeworfen.

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