Wulff entlässt seinen Sprecher Glaeseker : Ein Bauernopfer?

Klaus Wallbaum
Olaf Glaeseker
Olaf GlaesekerFoto: dapd

Olaf Glaeseker hat nicht viele Vertraute. Der 50-Jährige mit dem stets freundlichen Auftreten ist zwar allseits beliebt bei den Journalisten. Aber enge Mitarbeiter sagen auch, dass er durchaus kein Teamarbeiter oder Kumpel-Typ ist, sondern recht eigenbrötlerisch sein kann. Dann gibt es Phasen, in denen er tagelang abtaucht – wie in den vergangenen zwei Wochen.

Womöglich hat er schon seit Tagen über seinen Rückzug nachgedacht, weil die Affäre von ihm nicht mehr beherrscht werden konnte. Denn empfindlich und verletzlich ist der stämmige Mann, der in seiner Jugend erfolgreicher Mehrkämpfer und Niedersachsen-Meister im Weitsprung war, immer gewesen.

Dass Glaeseker womöglich schon länger den

Überblick verloren hatte, lag vielleicht an seiner falschen Einschätzung des Medienbetriebs.

Die Beziehung zum Chef soll sowieso nicht mehr die engste gewesen sein – schon räumlich rückten beide auseinander, der eine im prunkvollen Schloss, der andere im nüchternen Amtsbau.

Damit endet das Verhältnis Wulff/Glaeseker womöglich so, wie es einst begonnen hat, mit einer großen Distanz. Im Landtagswahlkampf 1994 hatte der Bonner Journalist Olaf Glaeseker, der für die Oldenburger Nordwest-Zeitung aus der Hauptstadt berichtete, einen ungünstigen Artikel über den damals jungen CDU-Ministerpräsidentenkandidaten Wulff geschrieben. Im Wahlkampf war das für den jungen Wulff fast tödlich. Aber dieser Ärger sollte der Beginn einer engen Freundschaft sein. 1998 wechselte Glaeseker an die Seite des angeschlagenen Wulff, der auf seinem politischen Tiefpunkt angelangt war und dringend gute Berater benötigte. Es begann ein rasanter Aufstieg. Glaeseker sorgte für ein neues Image des bis dahin verkniffen wirkenden Wulff – lockerer, lebenslustiger, häufiger umgeben von Schauspielern und Showgrößen. Und sie ignorierten Warnungen von Parteifreunden in Hannover. Klaus Wallbaum

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