• Wulff streicht Besuch bei Thyssen-Krupp Präsident verzichtet auf Besichtigung in Sao Paulo

Politik : Wulff streicht Besuch bei Thyssen-Krupp Präsident verzichtet auf Besichtigung in Sao Paulo

Berlin/Sao Paulo - Bundespräsident Christian Wulff hat seine einwöchige Lateinamerikareise mit einem Paukenschlag beendet. Kurzfristig sagte der Präsident am Freitagabend die für Samstag geplante Besichtigung des neuen Thyssen-Krupp-Stahlwerks im brasilianischen Sao Paulo ab. Wulff begründete die Entscheidung mit „kurzfristig angekündigten umfangreichen Umstrukturierungen im Thyssen-Krupp-Konzern mit noch nicht absehbaren Auswirkungen“.

Konkret hatte der Stahlkonzern wenige Stunden vor dem geplanten Besuch des deutschen Staatsoberhauptes in Deutschland Umbaupläne bekanntgegeben, die voraussichtlich zum Abbau von rund 35 000 der weltweit 177 000 Mitarbeiter führen werden. Allein in Deutschland könnten 14 000 Stellen betroffen sein. Wie es hieß, sei Wulff von den Plänen der Konzernführung nicht informiert gewesen und habe darauf äußerst ungehalten reagiert. Offenbar wollte der Bundespräsident vermeiden, als strahlende Hauptperson bei der Besichtigung eines nicht unumstrittenen Stahlwerks eines deutschen Konzerns vorgezeigt zu werden, während zu Hause in Deutschland tausende Mitarbeiter dieses Konzerns um ihre Arbeitsplätze bangen müssen.

Selbst langjährige Begleiter von Bundespräsidenten auf Reisen können sich nicht daran erinnern, dass ein mit so großem Aufwand geplanter Besuchstermin aus innenpolitischen Gründen vom Staatsoberhaupt gekippt wurde. Wulff hatte in den Tagen seines Brasilienbesuchs wiederholt das Werk an der Sepetiba-Atlantikbucht, rund 80 Kilometer westlich von Rio de Janeiro, als Vorzeigeprojekt gepriesen.

Mit 5,2 Milliarden Euro ist es die größte Investition der Konzerngeschichte. Millionenstrafen wegen Umweltverstößen und Kostensteigerungen beim Bau hatten die Betriebsaufnahme des Werkes, das 2010 eröffnet wurde, immer wieder verzögert. Wulffs Visite sollte einen Schlussstrich unter den Dauerstreit um das Stahlwerk markieren.

Thyssen-Krupp kommentierte die Absage Wulffs zunächst zurückhaltend. „Wir bedauern das“, hieß es in der Essener Zentrale des Unternehmens. Auf ein Angebot des Konzerns, die Absage des Präsidenten weniger deutlich zu kommentieren, soll sich Wulff zuvor nicht eingelassen haben. asi/dpa

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