Politik : Wundertüte Umweltpolitik

Dagmar Dehmer

Das Jahrbuch Ökologie ist eine Institution. Wer sich über die aktuellen Debatten in der Umweltforschung informieren möchte, findet darin die einzige verfügbare und aktuelle Informationsquelle. Es ist aber auch eine bunte Wundertüte.

Dabei sind die einzelnen Beiträge durchaus von unterschiedlicher Qualität. Der BSE-Schwerpunkt im aktuellen Jahrbuch beispielsweise ist eher enttäuschend. Der analytische Gehalt hält sich in Grenzen. Die Jahrbuch-Macher haben sich darauf beschränkt, eine Materialsammlung zur Verfügung zu stellen. Verbraucherschutzministerin Renate Künast kommt ebenso zu Wort wie Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner. Zudem werden die Erklärungen der Agrarökonomen dokumentiert, die für oder gegen eine Wende in der Landwirtschaftspolitik argumentieren. Was schmerzlich fehlt ist eine Einschätzung des Störfalls Rinderwahn für die moderne Landwirtschaft.

Dabei ist das Jahrbuch erfahrungsgemäß immer dann besonders lesenswert, wenn es um Grundsätzliches geht. Diesmal beispielsweise um Sesshaftigkeit als Ideal einer nachhaltigen Lebensform. Der Naturphilosoph Klaus Michael Meyer-Abich beschreibt, warum das neolithische Zukunftsprojekt bis heute nicht verwirklicht wurde. Die Politikwissenschaftlerin Barbara Mettler-von Meibom geht der Frage nach, was die Qualität von Orten ausmacht, und wie sich der Traum vom "guten Leben" verwirklichen ließe. Dazu passen Hanns-Georg Broses Überlegungen zu Zeitkultur im Umbruch.

Weniger gelungen ist die Einstimmung auf den Erdgipfel, der im kommenden September in Südafrika stattfinden wird. Bedauerlicherweise beschränken sich die Autoren auf eher technische Fragen einer künftigen globalen Umweltpolitik. Das ist sicherlich wichtig. Aber leider auch eher trockener Stoff. Wenn schon die Vorbereitung auf die Rio-Folgekonferenz so langweilig ausfällt, stellt sich die Frage, wie von diesem Gipfel wie vor zehn Jahren ein neuer Impuls für die Debatte ausgehen könnte.

Doch wie in jedem Jahrbuch kommen auch die Ermutigungen und guten Beispiele nicht zu kurz. So ist zu erfahren, was aus dem Föhrer Dosenschwur geworden ist. Oder wie die Niederländer mit Verträgen Klimaschutz betreiben.

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