Politik : Wurde Geisel im Irak verraten?

Frank Jansen

Berlin - Die Entführer der Archäologin Susanne Osthoff und ihres Fahrers haben möglicherweise Hinweise von Terrorsympathisanten in den irakischen Sicherheitskräften erhalten. Osthoff habe den Behörden mitgeteilt, wann und wohin sie fahren wollte, verlautete am Mittwoch aus deutschen Sicherheitskreisen. Das Ziel sei eine Ausgrabungsstätte gewesen, die etwa 300 Kilometer von Bagdad entfernt liegt. „Nachdem ihre Reise angekündigt war, konnte sie leicht ausgespäht werden“, hieß es weiter. Bis hin zum Innenministerium sei der Sicherheitsapparat im Irak von Anhängern der Terrorszene unterwandert.

Verwiesen wurde auch auf den mutmaßlichen Versuch dreier Iraker, Ende 2004 ein Attentat auf den damaligen Ministerpräsidenten Ijad Allawi bei dessen Besuch in Berlin zu verüben. Die Tatverdächtigen hätten erstaunliche Kenntnisse über das Besuchsprogramm Allawis gehabt. Schon damals sei vermutet worden, dass Terrorsympathisanten in den irakischen Sicherheitsbehörden gezielt Informationen weitergereicht hätten.

In ihrer ersten Regierungserklärung kündigte Kanzlerin Angela Merkel einen entschiedenen Kampf gegen den Terror an. Sie betonte, alle Anstrengungen seien darauf gerichtet, das Leben Osthoffs und ihres Fahrers zu schützen. Die Bundesregierung werde sich aber nicht erpressen lassen. Die Entführer verlangen, dass Deutschland die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung abbricht. Die Schwester von Susanne Osthoff forderte die Bundesregierung auf, den Forderungen entgegenzukommen. „Ich hoffe, dass die Bundesregierung nicht so stur ist und sich viel mehr Gedanken über eine Veränderung in der Irak-Politik macht“, sagte sie in München der dpa.

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