WWF : Umweltschützer: Folgen der Ostseepipeline verharmlost

Die Umweltsstiftung WWF hat den Betreibern der geplanten Erdgaspipeline durch die Ostsee vorgeworfen, die Risiken des Projekts für die Umwelt zu verharmlosen. Durch den Bau der Pipeline sollen insgesamt etwa 12.000 Tonnen Phosphat freigesetzt werden.

Claudia von Salzen

Berlin - In dem von Nord Stream vorgelegten Bericht zur Umweltverträglichkeitsprüfung werde die Faktenlage entweder unzureichend dargestellt oder „bewusst falsch interpretiert“, sagte Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros. „Nord Stream kommt immer zu dem Schluss, dass die Auswirkungen auf die Umwelt nicht signifikant seien“, sagte Lamp dem Tagesspiegel. Ein Sprecher von Nord Stream wies die Vorwürfe zurück. Die Erdgaspipeline, die vom russischen Wyborg ins deutsche Lubmin führen soll, muss von den Anrainerstaaten noch genehmigt werden.

Erschreckend sei, dass durch den Bau der Pipeline insgesamt etwa 12 000 Tonnen Phosphat freigesetzt würden, das sich zuvor am Meeresboden abgelagert habe, sagte Lamp. Das entspricht einem Drittel der Gesamtmenge des jährlich in die Ostsee eingeleiteten Phosphats. Dadurch drohe eine Überdüngung der Ostsee. Die Belastung mit Phosphat führt zu einer verstärkten Algenbildung. Wenn sich die Algen am Meeresboden ablagern und zersetzt werden, wird dem Wasser der Sauerstoff entzogen. Bereits jetzt seien vor allem im Finnischen Meerbusen große Gebiete von den Folgen der Überdüngung betroffen: „Dort ist der Meeresboden frei von Leben.“ Anders als bei offenen Meeren wie etwa der Nordsee dauert es bei der Ostsee 30 Jahre, bis sich das Wasser einmal komplett ausgetauscht hat.

Auch die Minen sowie die Chemiewaffen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in die Ostsee verklappt wurden, sind für die Umweltschützer Grund zur Sorge. Zwar hat Nord Stream den Meeresboden im Bereich der geplanten Pipelineroute eingehend untersucht und auch gegebenenfalls eine Munitionsräumung zugesagt. Aber der WWF fürchtet, dass eine Sprengung der Munition die Schweinswale, von denen es in der Ostsee östlich von Rügen nur noch 200 bis 600 gibt, sowie die Kegelrobben gefährden könnte. Außerdem bemängelt der WWF, dass Nord Stream keinen Ausgleich für möglicherweise verursachte Schäden anbietet. „Ohne Nachbesserungen darf man dieses Projekt nicht genehmigen“, betonte Lamp.

Nord Stream wies die Vorwürfe zurück, wollte sich aber aus Rücksicht auf den laufenden Genehmigungsprozess nicht zu Details äußern. „Die Untersuchungsmethoden, die Darstellung und Einordnung der Ergebnisse basieren auf internationalen Standards und internationalem Recht“, sagte der Sprecher Jens Müller. Die Pipeline muss von Deutschland, Russland, Schweden, Finnland und Dänemark genehmigt werden. In diesem Rahmen wird auch die Umweltverträglichkeit untersucht. Nord Stream hat dazu im März einen mehr als 3700 Seiten langen Bericht vorgelegt.

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