Xinjiang : Anschlag in Chinas Unruheprovinz

In der nordwestchinesischen Unruheprovinz Xinjiang drohen erneute Spannungen, nachdem bei der Explosion einer Sprengladung sieben Menschen getötet wurden.

Ein Mann steuerte am Donnerstag in einem Vorort der Stadt Aksu sein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in eine Menschengruppe, wie eine Sprecherin der Regionalregierung sagte. Der Täter gehörte demnach ebenso wie die meisten Opfer der uigurischen Minderheit an.

Bei der Explosion auf einer Kreuzung in der nahe an der Grenze zu Kirgistan liegenden Stadt wurden 14 Menschen verletzt. Der ebenfalls verletzte Mann, der sein dreirädriges Fahrzeug in die Menschenmenge gesteuert und die Explosion ausgelöst hatte, wurde festgenommen. „Ein Unfall kann ausgeschlossen werden“, sagte die Sprecherin der Regionalregierung. Unklar sei jedoch, ob es sich bei dem Vorfall um einen Terroranschlag handele.

In Xinjiang gibt es Spannungen zwischen der dort lebenden Minderheit der Uiguren, einem muslimisch geprägten Turkvolk, und der Bevölkerungsmehrheit der Han-Chinesen. Im Juli 2009 hatte es in Xinjiang gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der beiden Volksgruppen gegeben. Innerhalb weniger Tage wurden nach Behördenangaben fast 200 Menschen getötet, die meisten von ihnen Han-Chinesen. 1700 Menschen wurden verletzt.

Die chinesische Regierung machte damals „Separatisten“ für die ethnische Gewalt verantwortlich, legte aber keine Beweise für einen organisierten Aufstand vor. Nach uigurischer Darstellung verursachte die Polizei die Unruhen, indem sie gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorging. Im Zusammenhang mit den Unruhen wurden bislang rund 200 Menschen verurteilt, mehr als 25 von ihnen zum Tode.

Der erneute Vorfall in Xinjiang schürte nun die Sorge vor neuen Spannungen in der entlegenen Region. Nach der Explosion sei über Aksu das Kriegsrecht verhängt worden, berichtete das in Hongkong ansässige Zentrum für Menschenrechte und Demokratie unter Berufung auf Bewohner der Stadt. Demnach bezogen zahlreiche bewaffnete Polizisten Stellung in Aksu. Von Stadtbewohnern ins Internet gestellte Berichte über den Vorfall seien schnell wieder gelöscht worden. AFP

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