Yanis Varoufakis bei Günther Jauch : Jetzt hängt alles am Mittelfinger

Erst eine peinliche Homestory, nun - möglicherweise - der Stinkefinger gegen Deutschland: Yanis Varoufakis steht weiter im Mittelpunkt. Diesmal geht es um ein Youtube-Video. Eine Fälschung, sagt der griechische Finanzminister.

"Stick the finger to Germany": Ein Youtube-Video zeigt Yanis Varousfakis mit erhobenem Mittelfinger.
"Stick the finger to Germany": Ein Youtube-Video zeigt Yanis Varousfakis mit erhobenem Mittelfinger.Screenshot: Youtube/Tagesspiegel

Eigentlich sollte es um Politik gehen, doch am Ende redeten alle nur noch über den Mittelfinger des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis. Denn was bei Günther Jauch zu sehen war, war entweder unsauberer Journalismus oder eine Live-Lüge des griechischen Ministers. Der Aufreger in der Jauch-Sendung vom Sonntagabend war die Einspielung eines älteren Videos von Varoufakis, in dem der Grieche vermeintlich den Deutschen den Stinkefinger zeigt. Varoufakis aber, live aus Athen zugeschaltet, bezeichnete das Video als Fälschung: „Das ist ein unechtes Video. Der Finger ist reinmontiert worden.“  Jauch erwiderte, seinen Informationen zufolge stamme das Bild von einer Konferenz in Zagreb im Jahr 2013. Die ARD werde nun prüfen, ob das Material gefälscht sei. Am Sonntagabend blieb das noch unklar

Auf dem Video ist Varoufakis zu sehen, wie er im Mai 2013 beim "Subversive Festival" im kroatischen Zagreb eine Rede hält. In seinem Vortrag mit dem Titel „Der globale Minotaur“ ging er auf die Probleme des damals bereits finanziell angeschlagenen Griechenlands ein - und die Frage, ob ein sogenannter Grexit von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus betrachtet sinnvoll wäre. Varoufakis sagte damals, so ist es im Videomitschnitt zu hören: Griechenland hätte im Januar 2010 einfach ankündigen sollen, dass es seinen Verpflichtungen beim Euro nicht nachkommen kann. Lieber hätte es Deutschland den Mittelfinger zeigen und sagen sollen: "Jetzt könnt ihr das Problem allein lösen". Das Video kursiert schon länger und wird häufig als Beleg für Varoufakis harte Haltung gegen Deutschland genutzt. Varoufakis sagte: „Ich schäme mich dafür, dass man mir das zutraut.“

Außer Yanis Varoufakis waren in der Sendung von Günther Jauch noch Markus Söder (CSU), Ulrike Hermann (Wirtschaftskorrespondentin der TAZ) und Ernst Elitz (Journalist) zu Gast.

Sehen Sie hier den Ausschnitt aus dem Vortrag, der die ganze Aufregung nun ausgelöst hat - den Mittelfinger entsprechend betont:

Das Originalvideo ist 57 Minuten lang und enthält ein ausführliches Gespräch samt anschließender Diskussion über die Probleme Griechenlands. Ab Minute 39:52 diskutiert Varoufakis, warum er 2010 die Forderungen Deutschlands und der anderen Euro-Staaten per Fingerzeig abgelehnt hätte, ohne gleichzeitig zur Drachme zurückzukehren. Auch das gebeutelte Argentinien hätte letztlich die Pleite den Auflagen des Internationalen Währungsfonds vorgezogen.

Im Netz ließen die ersten Reaktionen nicht lange auf sich warten. NDR-Chefredakteur Andreas Cichowitz beteuerte bei Twitter, man sei von der Echtheit des Videos ausgegangen, werde nun aber noch einmal nicht näher qualifizierte "Netzexperten" mit der Sache befassen. Die Satiriker von "extra3" ließen mit dem Hashtag #vonPutinlernenheißtSiegenlernen klammheimliche Freude für Varoufakis' Vorwärtsverteidigung erkennen. Und dann machte noch die düstere Aussicht die Runde, dass das Schicksal des griechischen Finanzministers nun an einem Finger hängen könnte. Wenigstens ist es nicht der kleine.

Mittelfinger? Finanzminister? Da war doch was ...

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension zur Jauch-Sendung mit Yanis Varoufakis.

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