Politik : Zahl der getöteten Zivilisten im Irak deutlich gesunken

Bagdad - Die Sicherheitslage für Zivilisten im Irak hat sich 2008 offenbar verbessert. Wie die regierungsunabhängige Organisation Iraq Body Count (IBC) am Sonntag mitteilte, ging die Zahl der durch Gewalt getöteten Bürger 2008 deutlich zurück auf täglich durchschnittlich 25; im Vorjahr waren es noch 76 gewesen. Seit Jahresbeginn fielen im Irak laut der in Großbritannien ansässigen IBC zwischen 8315 und 9028 Zivilisten der Gewalt zum Opfer. 2006 seien es hingegen zwischen 25 774 und 27 599 und im Jahr 2007 zwischen 22 671 und 24 295 gewesen.

Seit dem Beginn des Krieges im Frühjahr 2003 wurden laut IBC zwischen 90 133 und 98 399 Zivilisten im Irak getötet. IBC berechnet die Zahl der getöteten Zivilisten auf Grundlage der Angaben von verschiedenen Behörden und Medien; dadurch entsteht auch die Spanne zwischen den Zahlen. Erstmals seit 2003 war laut IBC im Jahr 2008 die Zahl der getöteten Zivilisten in der Hauptstadt Bagdad niedriger als im Rest des Landes.

Dennoch kamen bei einem Bombenanschlag in der Hauptstadt am Samstag mindestens 22 Menschen ums Leben. Weitere 54 wurden verletzt, als in der Nähe einer Bushaltestelle im westlichen Stadtviertel Kasamija ein mit Sprengstoff beladenes Auto explodierte. Das Attentat war der blutigste Anschlag in Bagdad, seit am 10. November bei drei Explosionen auf einem Markt im Stadtteil Asamija 28 Menschen getötet wurden. Seit 2006 haben sich Bewohner des Sunniten-Viertels Asamija und das mehrheitlich von Schiiten bewohnte Nachbarviertel Kasamija immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert.

Bei drei weiteren Anschlägen kamen am Sonntag mindestens weitere sechs Menschen ums Leben. In der nordirakischen Metropole Mossul sprengte sich ein Mann auf einem Fahrrad nahe einer Demonstration in die Luft, die gegen die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen gerichtet war. Dabei riss er einen Kundgebungsteilnehmer mit in den Tod, 16 weitere wurden verletzt. In der westirakischen Stadt Falludscha kamen am selben Tag bei zwei verschiedenen Anschlägen vier Menschen ums Leben. Ein Selbstmordattentäter in einem Auto tötete sich und einen Streifenpolizisten und verletzte sechs weitere. Beim zweiten Anschlag explodierte ein mit Sprengstoff präpariertes Auto, als ein Polizeiwagen vorbeifuhr. Zwei Beamte starben, vier weitere wurden verletzt. AFP/dpa

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