Politik : Zahl der Toten bei Räumung von sudanesischem Lager steigt

Andrea Nüsse

Kairo - Die Zahl der Toten, die am Freitag bei der Räumung eines Flüchtlingslagers von Sudanesen in Kairo umgekommen sind, ist auf 26 gestiegen. Bei dem Polizeieinsatz hatten sich dramatisch e Szenen abgespielt. Junge Männer in Sweatshirts hielten dem Strahl der Wasserwerfer stand. Frauen in bunten afrikanischen Gewändern versuchten ihre Kinder vor den Wassermassen und den näher rückenden Polizisten zu schützen. Doch das Protestlager in einem Park in der Innenstadt Kairos zu verlassen, kam für die sudanesischen Flüchtlinge nicht in Frage. „Wir bleiben hier, bis wer sterben oder unsere Forderungen erhört werden.

Seit Ende September hausten in der kleinen Grünanlage neben der Mustafa-Mahmoud-Moschee im modernen Stadtteil Mohandesin etwa 2000 sudanesische Flüchtlinge unter prekären Bedingungen. Kein Wasser, keine Toiletten. Mehrere Kleinkinder waren wegen der mangelnden Hygiene und der Kälte bereits gestorben. Doch die Verzweiflung der Eltern scheint so groß, dass sie dies in Kauf nahmen. Die Flüchtlinge aus Sudan fordern vom UN-Flüchtlingswerk die Wiederaufnahme von Verfahren, um ihren offiziellen Flüchtlingsstatus festzustellen Und sie wollen in Drittländer gebracht werden, um den miserablen Lebensbedingungen in Ägypten zu entfliehen.

„Nein zur Integration in Ägypten“, war auf einem Schild zu lesen. Doch kurz vor Silvester sagte die Polizei „Nein“ zum Protestlager. 5000 Polizisten rückten an und forderten die Menschen auf, das Lager zu räumen – vergeblich. Da begann die Polizei, die Menschen gewaltsam zu Bussen zu bringen. Im Gedränge und in der Panik wurden vor allem Ältere und Kinder zu Boden geworfen. 14 Männer oder Jungen und zwölf Frauen oder Mädchen wurden niedergetrampelt. Nach Angaben der Behörden vom Neujahrstag wurden viele Sudanesen und 76 Polizisten verletzt.

Das tragische Ende des Protestes wirft ein Schlaglicht auf die Lage sudanesischer Flüchtlinge in Ägypten. Etwa vier Millionen Menschen sollen vor dem Bürgerkrieg in den vergangenen 21 Jahren geflohen sein. Auf mindestens zwei Millionen schätzte der Weltkirchenrat die Zahl derer, die in Ägypten Zuflucht suchten. Das UN-Flüchtlingswerk entscheidet im Auftrag der Kairoer Regierung darüber, wer als Flüchtling anerkannt wird. Dies waren nur etwa 10 000 Menschen. Der Rest lebt illegal in Ägypten.

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