Zapfenstreich : Tränen bei Sinatras "My Way"

Sichtlich bewegt hat der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Heimatstadt Hannover Abschied von der Bundeswehr genommen.

Hannover - Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde mit dem Großen Zapfenstreich geehrt, dem höchsten militärischen Zeremoniell der Truppe. Seine siebenjährige Amtszeit endet am kommenden Dienstag (22. November) mit der Wahl von Angela Merkel (CDU) zur neuen Kanzlerin. Schröder standen während des Festaktes zeitweise Tränen in den Augen.

Unter den Zuschauern des Festaktes, der auf Schröders Wunsch in Hannover veranstaltet wurde, waren seine Frau Doris und seine Mutter Erika Vosseler. Mit dabei waren auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) sowie der designierte Vizekanzler Franz Müntefering (SPD). Auch langjährige Freunde Schröders, wie der Anwalt und Chef des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, Götz von Fromberg, und Scorpions-Musiker Klaus Meine, verfolgten das Zeremoniell.

Vor dem Großen Zapfenstreich hatte Bundespräsident Horst Köhler dem scheidenden Kanzler für seine politische Arbeit gedankt. Der SPD- Politiker habe sich «bleibende Verdienste um unser Land» erworben, schrieb Köhler in einem Grußwort für die «Neue Presse» in Hannover. Er hob vor allem die Reform-«Agenda 2010» hervor.

Der Zapfenstreich begann nach Einbruch der Dunkelheit im Park hinter dem Rathaus in Hannover. Die Szenerie wurde von insgesamt 135 Fackelträgern ausgeleuchtet, die Musik kam vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Vor dem eigentlichen Zeremoniell spielten die Bläser drei Stücke, den Schröders Frau Doris für ihn ausgesucht hatte: den «Mackie Messer-Song» aus der «Dreigroschenoper», «Summertime» von George Gershwin und Frank Sinatras «My way». Bei dem letzten Lied traten dem Kanzler die Tränen in die Augen.

Mit dem Zapfenstreich - einer traditionsreichen Übung, deren musikalischen Elemente und Zeremonie genau festgelegt sind - verabschiedete sich die Bundeswehr von Schröder. Zugleich dankten die Soldaten um Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) ihm damit für seine Verdienste um die Streitkräfte. Zuvor hatte es einen Empfang für rund 600 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Rathaus gegeben.

In seiner letzten öffentlichen Rede hatte Kanzler Schröder am Samstagvormittag die Erwartung geäußert, die neue Bundesregierung werde die bisherige Außen- und Gesellschaftspolitik fortführen. Er sehe «in den beiden wichtigen Bereichen viel Kontinuität», sagte Schröder bei der Bundeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Hannover.

Nach diversen Ausschreitungen bei militärischen Gelöbnissen und Zapfenstreichen in den 80er und 90er Jahren hatten Polizei und Bundeswehr die Veranstaltung für Schröder weiträumig abgesperrt. Die Sicherheitskräfte hatten sich vor allem darauf vorbereitet, dass Demonstranten den Festakt durch Lärm oder laute Musik aus Verstärkern versuchen würden, zu stören. Dazu kam es jedoch nicht. «Es ist alles soweit friedlich geblieben», sagte ein Polizeisprecher.

Kriegsdienstgegner hatten aus Protest gegen die Militärpolitik des Kanzlers, unter anderem wegen seiner jüngsten Zustimmung zu Panzer- Lieferungen in die Türkei, rund 500 Meter entfernt eine Gegen- Kundgebung zum Zapfenstreich veranstaltet. Zu Zwischenfällen kam es dabei nicht. (tso/dpa)

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