Politik : Zaungäste der Macht

Iraks Regierung steht vor einer Bewährungsprobe

Anne-Beatrice Clasmann (dpa)

Kairo - Bei der amerikanischen Offensive in Falludscha ist die irakische Übergangsregierung nur Zaungast. Denn Ministerpräsident Ijad Allawi und sein Kabinett können das Kampfgeschehen in der westirakischen Rebellenhochburg, in der viele ihrer erbittertsten Feinde Unterschlupf gefunden haben, nicht direkt beeinflussen. Trotzdem steht für sie viel auf dem Spiel. Denn die Übergangsregierung, die erst seit dem Sommer an der Macht ist, wird diesmal die politische Verantwortung tragen müssen, sollte die Offensive genauso scheitern, wie der amerikanische Sturm auf Falludscha im vergangenen April.

Im Frühjahr, als die USA noch offiziell Besatzungsmacht waren, hatten die Amerikaner nach dreiwöchigen Kämpfen schließlich die Kontrolle über die Stadt an eine irakische Hilfstruppe übergeben. Diese war aber nicht in der Lage gewesen und zum Teil wohl auch gar nicht willens, den Aufständischen Einhalt zu gebieten. Die Bilder getöteter Zivilisten brachten während der damaligen Offensive im Irak und in der gesamten arabischen Welt die Volksseele zum Kochen. Zwar haben die brutalen Geiselmorde der Terrorgruppe um den Jordanier Abu Mussab al Sarkawi, der von den Amerikanern in Falludscha vermutet wird, auch in der arabischen Welt Entsetzen hervorgerufen. Doch gelten die arabischen Sympathien auch bei dieser neuen Offensive nicht den Amerikanern, denen man eigennützige Motive unterstellt.

Die irakische Regierung stellt den Sturm auf Falludscha ihrerseits nun genauso wie die Verhängung des Ausnahmezustandes als einen Teil ihrer Bemühungen zur Vorbereitung der für Januar geplanten landesweiten Wahlen dar. Sollten nämlich die Aufständischen Wahlen in Falludscha und anderen Städten des „sunnitischen Dreiecks“ verhindern, würden sich die sunnitischen Araber, die einst unter Saddam Hussein Privilegien genossen hatten, weiter ausgeschlossen fühlen. „Wir wollen Wahlen im gesamten Irak“, sgte Außenminister Hoschjar Sebari am Montag nach einem Treffen mit ägyptischen Regierungsvertretern in Kairo.

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