Politik : Zehn Jahre Frieden in Nordirland

Martin Alioth

Rosemount - Als am 10. April 1998 – einem Karfreitag – das historische Friedensabkommen zwischen den katholischen und protestantischen Konfliktparteien in Nordirland unterschrieben wurde, wagte der Verhandlungsleiter, der ehemalige US-Senator George Mitchell, eine Prognose: Die Verwirklichung dieser kühnen Vereinbarung würde wohl noch kniffliger werden als die Einigung. Er sollte recht behalten.

Zu Beginn der 90er Jahre hatten sowohl die britische Regierung wie auch die Irisch-Republikanische Armee (IRA) begriffen, dass der über zwanzig Jahre dauernde Konflikt nicht mit militärischen Mitteln allein beendet werden konnte. Ende 1993 legten die britische und die irische Regierung ein unwiderstehliches Angebot auf den Tisch: Großbritannien anerkannte das Selbstbestimmungsrecht der ganzen (geteilten) Insel Irland, sofern sich der britische Norden und die unabhängige Republik demokratisch einigten. Irland bestätigte, dass es eine Wiedervereinigung nur mit der Zustimmung der dortigen (protestantisch-unionistischen) Mehrheit akzeptieren würde. Die Untergrundverbände wurden zu Verhandlungen eingeladen, sofern sie eine Waffenruhe verkündeten.

Die Strategie erwies sich langfristig als erfolgreich. Allerdings hatte die beharrliche Forderung, dass die IRA abrüsten müsse, um ihrem politischen Flügel Sinn Féin den Eintritt in die Regierung zu ebnen, zu jahrelangen Verzögerungen geführt. Als die Entwaffnung 2005 endlich geschafft war, stellte sich heraus, dass sie politisch gar nicht so viel bewegte. Doch erst als Sinn Féin im Januar 2007 das britische Gewaltmonopol in Nordirland anerkannte, war der Weg zur Bildung einer Koalitionsregierung frei. Ende März 2007 kam ein weiteres Schlüsselereignis: Pfarrer Ian Paisley von der Protestantenpartei und Sinn-Féin-Chef Gerry Adams trotzten einem britischen Ultimatum und einigten sich untereinander auf die Regierungsbildung. Martin Alioth

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