Politik : Zehn Minuten fürs Volk (Kommentar)

cvm

Zehn Minuten werden sie den Organisatoren der Feierstunde nun also wert sein: die DDR-Bürgerrechtler und die Demonstranten, die 1989 neben Polen und Ungarn den originär deutschen Beitrag zum Fall der Mauer leisteten. Zehn Minuten für die "political correctness", so mag es scheinen - und das auch erst nach tagelangem Druck. Darum hängt noch ein Schatten über dem zehnten Jahrestag des Wunders von Berlin. Das liegt daran, dass die Parteien meinten, eine Art Staatsakt wie zum 3. Oktober inszenieren zu müssen. Dabei war der 9. November 1989 doch ein Tag des Volkes, nicht der Staatsmänner. Dieser Makel einer zunächst falschen Gewichtung sollte jetzt aber nicht länger auf der Feier lasten. Die späte, doch rechtzeitige Korrektur bietet sogar eine Chance - wenn die Festredner sich nicht darauf verlassen, dass Joachim Gauck schon die nötige Quote Ost, Bürgerrechtler und Volk erfüllen wird. Um Gauck muss man sich keine Sorgen machen, er wird den richtigen Ton finden und Erfrischendes, vielleicht auch Hartes mit der ihm eigenen Klarheit sagen. Zu einem doppelten Gewinn würde die neue Redeordnung, wenn auch Kohl und Schröder begreifen, dass dies nicht die Stunde ist, um ihre eigene Politik zu loben, sondern der Moment, in dem auch sie den wahren Akteuren des 9. November, den mutigen Bürgern von Leipzig und Ost-Berlin, nochmals ihre Reverenz erweisen.

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