Politik : Zehn Prozent mehr für Arznei

Die Arzneimittelausgaben sind im vergangenen Jahr erneut deutlich gestiegen. Nach Schätzungen der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin von Freitag wuchsen die Ausgaben für Medikamente bundesweit um 9,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt hätten Kassenärzte Medikamente im Wert von rund 21 Milliarden Euro verordnet. In 2000 lagen die Ausgaben noch bei 19,1 Milliarden Euro. Nach Ansicht des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) haben fehlende Kontrollen und Ausgabengrenzen die Steigerung mitverursacht.

"Es fehlt an Kontrollmöglichkeiten", begründete der Leiter der BKK-Arzneimittelabteilung, Wolfgang Kaesbach, den Kostenanstieg. Einzelne Praxen würde kaum überprüft, Sanktionen fehlten. "Ärzte machen sich über Kosten der von ihnen verschriebenen Arzneien keine Gedanken." Allerdings hätten Mediziner kaum Möglichkeiten, Medikamentenpreise zu vergleichen, nahm Kaesbach die Ärzte in Schutz. Schuld sind nach Ansicht des BKK-Sprechers die nach dem Amtsantritt der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gestrichenen Ausgabengrenze. "Sie hat es versäumt, wirksame Alternativen einzuführen", sagte Kaesbach. Nach dem Wegfall der Ausgabenbegrenzungen seien deutlich mehr Original-Arzneien und teurere Nachahmer-Präparate verschrieben worden.

Mit einer Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung für alle Erwerbstätigen und ihre Angehörigen will der Sozialverband Deutschland das deutsche Gesundheitswesen retten. Die Pflichtversicherungsgrenze solle langfristig abgeschafft werden. Der Verband forderte weiter, Ärzte künftig nach Zeitaufwand zu bezahlen. Dies würde Abrechnungsbetrug fast unmöglich machen. Patienten sollten die Zeit quittieren, die ihnen der Arzt gewidmet habe.

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