Politik : Zehntausende auf dem Weg nach Mazedonien

GENF (epd).Im Kosovo sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zwischen 20 000 und 30 000 Menschen in Richtung mazedonische Grenze unterwegs.Unter Berufung auf Flüchtlingsaussagen sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski am Mittwoch in Genf, serbisches Militär habe alle Bewohner der Städte Petrovec und Dilan sowie der Dörfer um Slatina vertrieben und zur Grenze geschickt.Die ersten 1400 Flüchtlinge der Region erreichten am späten Dienstag abend in Autos, Traktoren oder zu Fuß den Grenzort Blace.

Während des Tages waren in Blace laut UNHCR 953 Flüchtlinge aus Urosevac in einem Zug angekommen.Einige berichteten, daß sie sich bereits am Montag in dem Zug nach Blace befunden hätten, der dann aus unbekannten Gründen von serbischen Behörden mit fast allen Passagieren zur Umkehr gezwungen worden war.Insgesamt kamen Dienstag und Mittwoch vormittag 2500 Kosovo-Albaner über die Grenze nach Mazedonien, während nur ein einziger Mann bei Morini nach Albanien flüchtete.

Das UNHCR erhält immer neue Informationen, nach denen die serbische Polizei oder das Militär ihre Basen in Schulen oder Privathäuser verlegen, Waffen in öffentlichen Gebäuden lagern und Kosovo-Albaner als menschliche Schutzschilde mißbrauchen.Janowski gab die Schilderung eines Mannes aus dem Ort Korisa wieder, wo kürzlich vermutlich von Nato-Bomben zahlreiche Zivilisten getötet worden waren.

Den Angaben des Flüchtlings zufolge waren zahlreiche Dorfbewohner vor zwei Monaten in die Berge geflohen.Serbische Granaten und Nahrungsmangel trieben sie zurück nach Korisa, wo sie von Polizisten auf ein Grundstück neben einer Fabrik gebracht wurden.Später zog sich die Polizei von dem Grundstück zurück, während die Dorfbewohner bleiben mußten."Das Grundstück wurde möglicherweise von Nato-Bomben getroffen", so das UNHCR.

Angehörige des Mannes wurden verwundet und ins Hospital von Prizren gebracht, hieß es weiter.Der Mann selbst wurde kurz darauf von der Polizei wegen angeblicher Kontakte zur Untergrundarmee UCK festgenommen.Er wurde nach eigenen Aussagen mit einem Metallstock schwer geschlagen, bevor er zur Grenze nach Albanien geschickt wurde.

Unterdessen hat die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) die mazedonische Flüchtlingspolitik scharf kritisiert.Mazedonien benutze die Kosovo-Flüchtlinge als politisches Faustpfand und breche internationales Recht, sagte ein ai-Sprecher am Mittwoch vor Journalisten in London.

Vor ihrer Umsiedlung aus mazedonischen Flüchtlingslagern in andere Aufnahmeländer werde den Kosovo-Albanern kein rechtlich angemessener Status eingeräumt.Zudem würden die Flüchtlinge nicht ausreichend informiert.

Bewaffnete Polizisten beschimpften und schikanierten die Menschen, anstatt sie zu beschützen."Mazedonien will die Flüchtlinge nicht", sagte der Sprecher.

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