Politik : Zehntausende demonstrieren in Lima gegen Wahlmanipulationen durch Fujimori

Kurz vor Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses haben die US-Regierung und zehntausende Demonstranten in Peru eine zweite Runde der Präsidentschaftswahl gefordert. Ein Sprecher der US-Regierung sagte am Dienstagabend (Ortszeit), die Vorwürfe des Wahlbetrugs müssten widerlegt werden. In Lima versammelten sich in der Nacht zum Mittwoch mehrere zehntausend Anhänger des Oppositionskandidaten Alejandro Toledo. In einer Ansprache rief Toledo die Bevölkerung zu einem "friedlichen Widerstand gegen den Wahlbetrug" auf. Die peruanische Bischofskonferenz appellierte an die Bevölkerung, angesichts der "schwierigen politischen Lage" Ruhe zu bewahren. Nach der Auszählung fast aller Stimmen lag Amtsinhaber Alberto Fujimori nur noch knapp unter der für eine Direktwahl erforderlichen Marke von über 50 Prozent. Toledo lag knapp zehn Prozentpunkte dahinter.

"Wir erwarten einen zweiten Durchgang, und es wird ernste Fragen geben, wenn es zum Ende der Auszählungen anders aussieht", sagte US-Präsidentensprecher Joe Lockhart. Es sei sehr wichtig, dass die internationale Gemeinschaft und die Bevölkerung Perus Vertrauen in den Wahlprozess haben. Fujimoris Vize-Präsidentschaftskandidat Francisco Tudela bezichtigte die USA im peruanischen Fernsehen daraufhin der "offenen und koordinierten Intervention".

Allein in der Hauptstadt Lima versammelten sich nach Angaben der Polizei 25 000 Anhänger des Oppositionskandidaten Toledo. "Ja zur Demokratie, nein zur Diktatur", riefen die Demonstranten. Die Menge zog in kleinen Gruppen zum Präsidentenpalast, der von Sicherheitskräften abgeschirmt wurde. "Weder Panzer noch Raketen können die Stimme des Volkes zum Schweigen bringen", rief Toledo der Menge zu. Berichte über Zwischenfälle gab es zunächst nicht. In Iquitos im Nordosten des Landes gingen etwa 10 000 Menschen auf die Straße. Auch in Arequipa, Chimbote und Cusco demonstrierten Tausende. Zuvor hatte Vize-Präsidentschaftskandidat Carlos Ferrero mitgeteilt, Toledo habe Kontakte zum Militär aufgenommen. Die peruanische Bischofskonferenz rief in einer Erklärung zur Gewaltlosigkeit auf. Ruhe bedeute nicht die Anerkennung des Wahlergebnisses, hieß es.

Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen votierten 49,79 Prozent der Wähler für den amtierenden Präsidenten Fujimori, der sich entgegen der Verfassung zum dritten Mal um die Präsidentschaft bewirbt. Auf den stärksten Herausforderer Toledo entfielen 40,39 Prozent der Stimmen. Nationale und internationale Beobachter hatten über erhebliche Unregelmäßigkeiten bei dem Urnengang am Sonntag berichtet und deshalb in jedem Fall einen zweiten Wahlgang gefordert.

Die Ex-Frau von Alberto Fujimori, Susana Higuchi, hat sich unterdessen den Protestaktionen gegen den angeblichen Wahlbetrug des Präsidenten angeschlossen. "Ich beteilige mich am friedlichen Widerstand", sagte Higuchi in der Nacht zum Mittwoch. Sie nahm zusammen mit den rund 25 000 Anhängern von Toledo im Zentrum der Hauptstadt Lima an der Kundgebung teil. In einem Gespräch mit Toledo erklärte sie sich solidarisch mit dem Oppositionskandidaten. Der Wahlbehörde sei nicht zu trauen, sagte die ehemalige First Lady.

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