• Zehntausende erweisen Chávez die letzte Ehre Gäste aus aller Welt heute beim Staatsbegräbnis

Politik : Zehntausende erweisen Chávez die letzte Ehre Gäste aus aller Welt heute beim Staatsbegräbnis

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Am halb offenen Sarg. Eine Frau trauert in der Militärakademie der Hauptstadt Caracas um Venezuelas verstorbenen Staatschef Chávez. Am Sarg hielt eine vierköpfige Ehrengarde Wache. Foto: AFP
Am halb offenen Sarg. Eine Frau trauert in der Militärakademie der Hauptstadt Caracas um Venezuelas verstorbenen Staatschef...Foto: AFP

Puebla - Neun Stunden wartete Chanel Arroyo, bis er zum letzten Mal einen Blick auf seinen Führer erhaschen konnte. „Ich bin zutiefst bewegt, es kamen so viele Erinnerungen hoch, Dinge, die wir in den 14 Jahren seiner Regierungszeit erlebt haben“, sagte der 34-Jährige der Nachrichtenagentur AFP, nachdem er in Caracas bis zum halb offenen Sarg des verstorbenen venezolanischen Staatschefs Hugo Chávez vordringen konnte. Unmittelbare Fotos vom Leichnam waren verboten; nach Angaben des Chefs der Präsidentengarde war Chávez in eine Militäruniform gekleidet. Zehntausende standen Tag und Nacht Schlange, um dem in der Militärakademie aufgebahrten Leichnam die letzte Ehre zu erweisen. Die meisten kamen in Rot – der Symbolfarbe der bolivarischen Revolution. Chávez war am Dienstag 58-jährig an Leistenkrebs gestorben.

Zuvor war der von einer Nationalflagge bedeckte Sarg, schwer bewacht von Militärs und begleitet von Ministern und Familienangehörigen, in einer Massenprozession vom Militärkrankenhaus durch das Zentrum von Caracas bis zur Akademie transportiert worden. Eine Aufzeichnung der Nationalhymne, gesungen von Chávez, und ein weißes, reiterloses Pferd begleiteten die Prozession. „Chávez lebt!“, riefen manche Trauernde kämpferisch; andere versanken sprachlos in Tränen. „Mein Herz trauert, Venezuela hat seinen Vater verloren. Aber er lebt in meinem Herzen weiter“, sagte die 46-jährige Yudeth Hurtado. An diesem Freitag werden Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zum Staatsbegräbnis des umstrittenen Linkspopulisten erwartet. Bereits vor Ort waren die Präsidenten der verbündeten Linksregierungen Uruguays, Boliviens und Argentiniens.

Chávez’ Tod warf die Frage nach der Zukunft des südamerikanischen Erdölstaates auf. Zunächst hatte Vizepräsident Nicolás Maduro die Amtsgeschäfte übernommen und per Dekret eine siebentägige Staatstrauer verhängt. Laut Verfassung muss er innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen anberaumen. Maduro ist der designierte Kronprinz, Chávez selbst hatte in seinem letzten öffentlichen Auftritt seine Anhänger darum gebeten, bei etwaigen Wahlen für den Ex-Gewerkschafter zu stimmen. Sein Gegenspieler wird wohl Oppositionsführer Henrique Capriles Radonski sein, der bei der Präsidentschaftswahl im Oktober zwar gegen Chávez verloren hatte, aber mit knapp 45 Prozent der Stimmen ein Rekordergebnis für die bürgerlichen Revolutionsgegner einfahren konnte. Sandra Weiss

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