Zensur : Tibet - Alptraum der Journalisten

Tibet wird zum blinden Fleck für die Weltöffentlichkeit. Politische Kontrolle aus Peking und strikte Zensur blockieren die Berichterstattung. Wie Journalisten bei der Recherche behindert werden.

Dan Martin[AFP]

Peking Wenn es eine Region in China gibt, in der ausländische Journalisten nicht frei arbeiten können, dann ist es Tibet: Die chinesischen Behörden zensieren strikt. Was sich auf dem "Dach der Welt" derzeit abspielt, ist für die Öffentlichkeit nicht mehr zu sehen. Journalisten dürfen nicht mehr in die Himalaya-Region reisen, "zu ihrer eigenen Sicherheit", wie es heißt. Derweil blickt die Weltöffentlichkeit gebannt Richtung Tibet, um die blutigen Ereignisse dort zu verstehen.

Es sei "extrem schwierig", über das Thema zu schreiben, klagt Melinda Liu, Bürochefin des US-Magazins "Newsweek" in Peking und Präsidentin des Klubs der Auslandspresse in der Volksrepublik. Alle Auslandskorrespondenten mühten sich ab, um als Augenzeugen in die tibetische Hauptstadt Lhasa zu reisen und Informationen aus erster Hand zu beschaffen - doch das sei derzeit unmöglich. "Es ist ein Alptraum für Journalisten", sagt Liu.

Blinde Recherche

Journalisten sind derzeit gezwungen, quasi blind Telefonnummern in Tibet anzuwählen, um die ein oder andere Information zu erhalten. Diejenigen, die in Tibet Anrufe entgegennehmen, können jedoch kaum Auskünfte über die aktuelle Lage geben, denn wegen Ausgangssperren müssen sie in ihren Wohnungen oder am Arbeitsplatz bleiben. Manche haben auch einfach Angst zu reden. Dennoch - hartnäckiges Anrufen zahlt sich aus, und so entsteht bei den Korrespondenten nach und nach ein immer klareres Bild von der massiven Präsenz von Sicherheitskräfte in Lhasa und anderswo.

Weitaus schwieriger ist es, selbst nach Tibet oder in die angrenzenden Provinzen Sichuan, Gansu und Qinghai zu gelangen: Ein Journalist, der über die Proteste tibetischer Mönche in Xiahe in Gansu berichten wollte, sagte, an den Straßen werde ein Kontrollpunkt nach dem anderen errichtet. Ausländer dürfen keine Bus- und Zugfahrkarten kaufen, und wer trotzdem in einen Bus steigt, wird von der Polizei wieder herausgeholt. In Tongren in Qinghai werden keine Zimmer mehr an Ausländer vergeben.

Die Zensoren in der Volksrepublik machen derweil Überstunden: Am Wochenende war das Videoportal YouTube in China blockiert, nachdem dort Filme über die Proteste in Lhasa zu sehen waren. Die Internetsite Yahoo, die ausländische Medienberichte über die Proteste veröffentlichte, ließ sich am Montag ebenfalls nicht mehr aufrufen. Die staatliche Presse druckt nur noch die von Peking gebilligte Version der Ereignisse. Die Angaben etwa über die Todesopfer bei den Protesten variierten enorm, sagt Liu: "Es ist unmöglich, die Wahrheit herauszufinden." (ae/AFP)

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