Zentralamerika : Todesschwadronen üben Selbstjustiz

Menschenrechtsgruppen in Zentralamerika schlagen derzeit Alarm, weil bewaffnete Gruppen dort Selbstjustiz üben. An den Todesschwadronen sollen auch staatliche Sicherheitskräfte beteiligt sein.

Tegucigalpa - Völlig unbehelligt von staatlichen Stellen ermorden selbst ernannte "Säuberungstruppen" junge Gewalttäter. Solche Kommandos treiben in Honduras wie auch in Guatemala und El Salvador ihr Unwesen, wie der Leiter der Organisation Casa Alianza für Honduras, Manuel Capellín sagte. Es heißt sogar, dass auch Soldaten und Polizisten bei den Todesschwadronen beteiligt sind; Beweise gebe es dafür aber nicht. Die Hinrichtungen verlaufen laut Capellín immer nach dem gleichen Muster: "Man findet die Leichen von zwei oder drei jungen Leuten, die Hände gefesselt, mit einem Kopfschuss."

Die gleiche Methode sei auch in den Nachbarländern Guatemala und El Salvador zu beobachten, sagt der Leiter der in New York ansässigen Organisation. In diesen Ländern verwendeten die Todesschwadronen "die gleichen Waffen, die gleichen Fahrzeuge und die gleichen Gruppenhinrichtungen". Seit 1998 seien allein in Honduras rund 3300 junge Leute unter 23 Jahren getötet worden, teils von staatlichen Stellen, teils bei Rivalitäten unter Banden, aber auch durch Todesschwadronen, schätzt die Casa Alianza.

Staatliche Sicherheitskräfte beteiligt?

In Zentralamerika sind zwischen 200.000 und einer halben Million junge Leute in Banden organisiert, die sich auf bewaffnete Überfälle, Erpressung, Entführungen und Drogenhandel verlegt haben. Ihnen haben die "Säuberungskommandos" den Krieg erklärt. In El Salvador berichtet der Bürgermeister der östlichen Stadt San Miguel, Wilfredo Salgado, von zwei Hinrichtungsgruppen namens "Dunkler Schatten" und "Kommando Maximiliano Hernández Martínez". Diese Gruppen hätten Bandenmitgliedern nahegelegt, die Stadt zu verlassen, wenn sie am Leben bleiben wollten.

In Guatemala unterstellt der Menschenrechtler Miguel Angel Albizures den staatlichen Sicherheitskräften, sich an den Hinrichtungsplänen zu beteiligen. "Wir glauben nicht, dass der Staat selbst daran teilhat", sagt Albizures. Aber "staatliche "Elemente" seien durchaus beteiligt. Davon ist auch die Menschenrechtlerin Itsmania Pineda überzeugt: Bei den Todesschwadronen machen auch Polizisten mit, wie sie beteuert - denn bei den Hinrichtungen benutzten sie ihre Dienstwagen.

Die leitende Polizistin María Borjas aus El Salvador hat es 2003 mit ihrem Arbeitsplatz bezahlt, dass sie Todesschwadronen in der Polizei vermutete und zu ermitteln begann. In San Pedro Sula im Norden des Landes sei eine Gruppe namens "Die Großartigen" unterwegs, die sich aus 20 Einheiten von je fünf Mann zusammensetze, sagt Borjas. Sie hält die außergesetzlichen Hinrichtungen durchaus für "Staatspolitik": Schließlich sei es aus Sicht der Behörden "einfacher, Menschen umzubringen, als Wiedereingliederungsprogramme aufzulegen, die Zeit und Geld kosten", klagt Borjas an. (tso/AFP/ Noé Leiva)

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