Zentralasien : Blutbad in Usbekistan

Das Militär der zentralasiatischen Republik Usbekistan hat einen Aufstand gegen die autoritäre Staatsführung blutig niedergeschlagen. In dem islamistisch geprägten und dicht besiedelten Fergana-Tal im Osten des Landes schossen Soldaten in der Stadt Andischan am Freitagabend wahllos auf Menschen.

Taschkent/Moskau (13.05.2005, 21:13 Uhr) - Dies berichteten Augenzeugen. Es seien hunderte Tote und Verletzte zu befürchten, teilte der Anwalt Saidschachon Sainabitdinow der Nachrichtenagentur dpa mit. «Sowohl die Demonstranten als auch die Aufständischen, die sich in der Gebietsveraltung verschanzt hatten, wurden aus gepanzerten Fahrzeugen, automatischen Waffen und Gewehren beschossen», sagte er. Nach übereinstimmenden Berichten trafen die Schüsse viele Frauen und Kinder.

Der Angriff des Militärs richtete sich vor allem gegen das von bewaffneten Aufständischen besetzte Gebäude der Gebietsverwaltung. Zehntausende Demonstranten auf dem zentralen Platz von Andischan protestierten gegen einen umstrittenen Extremismus-Strafprozess und forderten den Rücktritt des autoritären Staatschefs Islam Karimow. «Wir sind keine Extremisten. Wir wollen Demokratie und Arbeit», riefen die Kundgebungsteilnehmer in der Stadt mit 300 000 Einwohnern.

Die Informationslage blieb bis zum Abend widersprüchlich. Nach Polizeiangaben brachten Soldaten das Verwaltungsgebäude wieder vollständig unter Kontrolle. Augenzeugen berichteten dagegen, dort hielten sich immer noch Aufständische verschanzt.

Präsident Karimow habe in Andischan angeblich nach erfolglosen Verhandlungen mit den Aufständischen den Befehl zum harten Durchgreifen gegeben, berichtete die Internet-Agentur Fergana.ru. Er kehrte nach der Militäraktion zurück in die Hauptstadt Taschkent. Bürger in Andischan sagten, Polizei und Armee hätten den Tag über nicht versucht, mit den Aufständischen zu reden.

Die USA riefen beide Seiten in dem Konflikt auf, Gewalt zu vermeiden. Das russische Außenministerium verurteilte den Angriff der extremistischen Aufständischen und sicherte Karimow Solidarität zu. Das verarmte Fergana-Tal ist die am dichtesten besiedelte Region Zentralasiens. Sie gerät zunehmend unter den Einfluss islamischer Extremisten. Die Behörden sperrten wegen der Unruhen die einzige Verbindungsstraße zur 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Taschkent. Vor der israelischen Botschaft in Taschkent erschossen Wachleute einen Verdächtigen, der mit einer Bombenattrappe auf das Botschaftsgelände gelangen wollte.

In der Nacht auf Freitag hatten zunächst bewaffnete Banden Waffen aus einer Kaserne in Andischan geraubt und damit die Freilassung tausender Häftlinge aus einem Gefängnis erzwungen. Ziel war es, 23 als religiöse Extremisten angeklagte Geschäftsleute zu befreien. Am Morgen besetzten die Bewaffneten die Gebietsverwaltung in Andischan. Bei den Schießereien kamen nach offiziellen Regierungsangaben bis zum Nachmittag 9 Menschen ums Leben, weitere 34 wurden verletzt.

Der seit 15 Jahren als Präsident regierende Karimow hat einen gemäßigten Staatsislam angeordnet und lässt seine Sicherheitsdienste mit großer Härte gegen Oppositionelle vorgehen. Amnesty International schätzt die Zahl der inhaftierten Regimegegner auf etwa 8000. Die Menschenrechtsorganisation wirft der Regierung in Taschkent Folter und Misshandlungen von Häftlingen vor.

Die usbekische Führung kooperiert eng mit den USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. In der früheren Sowjetrepublik sind unter anderem Soldaten aus den USA und Deutschland stationiert. Die etwa 300 Bundeswehrangehörigen versorgen von der südusbekischen Stadt Termes aus die Truppen im benachbarten Nordafghanistan. (tso)

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