Politik : Zentralstelle für Vergabe von Studienplätzen wird privatisiert

Uwe Schlicht

Berlin - Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) wird nicht aufgelöst, sondern wahrscheinlich in eine private Rechtsform überführt. Das hat die Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin bekannt gegeben. Die ZVS hat die Aufgabe, Studenten in Fächern mit eingeschränkter Zulassung (Numerus clausus) bundesweit auf die Hochschulen zu verteilen. Die ZVS als Service-Einrichtung ist deshalb für die Kultusministerkonferenz unentbehrlich, weil es in diesen Fächern nach wie vor Mehrfachbewerbungen von Abiturienten gibt. In jedem Jahr sind erneut Schwierigkeiten zu bewältigen, den Bewerbern ihre Zulassungsbescheide rechtzeitig zum Vorlesungsbeginn zuzustellen.

Unter den neuen Zulassungsbedingungen kommt noch ein gravierenderes Problem hinzu: Künftig dürfen die Hochschulen 60 Prozent der Studienbewerber nach Leistungskriterien selbst auswählen. 20 Prozent der Studienplätze sind für die Abiturbesten gesichert, und weitere 20 Prozent werden nach der Länge der Wartezeit vergeben. Damit ist schon heute absehbar, dass eine erhebliche Zahl von Studienbewerbern übrig bleibt, die eigentlich keine Hochschule haben möchte. Da die große Koalition jedoch 40 Prozent eines Geburtsjahrgangs zum Studium führen möchte, soll diese Restmenge über die ZVS den Hochschulen zugewiesen werden. Damit wird die ZVS selbst in privater Rechtsform auch künftig im Auftrag der Länder hoheitliche Funktionen wahrnehmen. Einzelheiten wird ein Staatsvertrag regeln, über den die Ministerpräsidentenkonferenz im Jahr 2006 entscheiden soll.

Die KMK hat es als positives Signal gewertet, dass die neue Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) so schnell zu einer Sitzung der KMK gekommen ist und Möglichkeiten zur künftigen Zusammenarbeit ausgelotet hat. Eine enge Kooperation von Bund und Ländern soll auch bei der Bewältigung des großen Studentenandrangs bis zum Jahr 2020 zum Tragen kommen. Kultusministerkonferenz und Ministerin Schavan sehen die Bewältigung des erwarteten Studentenbergs als eine „positive Herausforderung“. Welche Rolle dabei Bund und Länder übernehmen, soll anhand der neuen Zuständigkeiten nach der Föderalismusreform verabredet werden, erklärte die KMK-Präsidentin Johanna Wanka (CDU), Schulministerin in Brandenburg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben