Zentrum gegen Vertreibungen : Steinbach erwartet schnellen Beschluss für Gedenkstätte

In Berlin soll ein Zentrum gegen Vertreibung entstehen. Schon im Vorfeld ist das Projekt um Erika Steinbach heftig debattiert worden. Dennoch ist die Vertriebenen-Präsidentin zuversichtlich: "Ich betrachte das mit Gelassenheit und Hoffnung."

Basil Wegener[dpa]
Erika Steinbach
Erika Steinbach möchte das Zentrum gegen Vertreibung in Berlin eröffnen. -Foto: ddp

BerlinDie Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach erwartet "noch in diesem Jahr" eine Entscheidung über das in Osteuropa teils heftige umstrittene Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin. "Es wird auf Hochtouren daran gearbeitet", sagte die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV). Derzeit stimmten sich die zuständigen Ministerien über das Projekt ab, das von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt werde, sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete.

Der BdV begeht an diesem Montag seinen 50. Jahrestag mit einer Festveranstaltung in Berlin, zu der auch Merkel erwartet wird. Über einen künftigen Leiter eines Zentrums gegen Vertreibungen sagte Steinbach: "Es muss eine kluger Kopf an der Spitze stehen." Dieser solle für eine "emotionale und korrekte Darstellung" der Vertreibungen sorgen. "Es muss die Menschen packen." Steinbach bedauerte, dass von den osteuropäischen Staaten nur Ungarn zu einem Engagement bereit sei. In Polen und Tschechien war kritisiert worden, dass ausgerechnet am einstigen Sitz der nationalsozialistischen Herrschaftszentrale der 15 Millionen vertriebenen Deutschen gedacht werden soll. "Natürlich wäre es ohne den Nationalsozialismus und die Massenverbrechen nicht zu den Vertreibungen gekommen, trotzdem war es Unrecht", sagte Steinbach.

Steinbach: "Die Menschenrechte sind unteilbar"

"Die Vertriebenen, aus welchen Regionen sie auch kommen, aus Mittel- und Südosteuropa oder aus dem Wolga-Gebiet, gehören zu unserem kulturellen Erbe." Zugleich betonte Steinbach: "Die Menschenrechte sind unteilbar." Künftig werde der BdV "dem Thema Menschenrechte in Europa viel Aufmerksamkeit widmen", sagte Steinbach. "Wir streben einen weiteren breiten Brückenbau in die osteuropäischen Länder hinein an." Bereits heute gebe es 50 Partnerschaften zu polnischen Gemeinden. Täglich tausende "in ihre Heimat" reisende Vertriebene hätten nicht die Faust in der Tasche, sondern seien sehr aufgeschlossen und gäben Hilfestellung.

Was die immer wieder harschen Töne vor allem aus der polnischen Regierung an ihre Adresse betrifft, sagte Steinbach: "Ich betrachte das mit Gelassenheit und Hoffnung." Die postkommunistischen Länder machten einen schwierigen Übergang zur Demokratie durch. "Das was es an Schrecklichem gegeben hat, müssen wir gemeinsam überwinden", sagte die BdV-Chefin. "Das ist keine Frage von Schuld und Sühne, sondern eine Frage, sich seiner Verantwortung zu stellen."  

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