Politik : Zentrum gegen Vertreibungen zieht in Kirche

Sebastian Bickerich

Berlin - Das umstrittene Zentrum gegen Vertreibungen soll in einer katholischen Kirche in Berlin eingerichtet werden. Der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner, bestätigte Gespräche des Bundes der Vertriebenen (BdV) „mit einer Kirchengemeinde in Berlin-Mitte um die Umnutzung einer kirchlichen Immobilie“. Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach (CDU) sagte, sie hoffe auf einen baldigen Abschluss, machte aber wie Förner keine Angaben über den genauen Ort. Nach Tagesspiegel-Informationen sind die St.-Adalbert-Kirche und die Kirche St.-Michael in Mitte im Gespräch. Wegen der prekären Finanzlage im Erzbistum bemühen sich mehrere Berliner Kirchengemeinden darum, nach Gemeindefusionen nicht mehr genutzte Kirchen umzuwidmen.

Mit einer Ausstellung wolle man die Arbeit des Zentrums in den Räumen der Kirche im Herbst 2006 aufnehmen, kündigte ein Stiftungsmitglied an. Der Kurator der Ausstellung, der Historiker Wilfried Rogasch, sagte, er wolle unter dem Titel „Das Jahrhundert der Vertreibungen“ im europäischen Rahmen über Vertreibungen im 20. Jahrhundert informieren. Das Schicksal der deutschen Vertriebenen werde dabei eine „sehr große Rolle“ spielen. Scharfe Kritik an der Ausstellung und dem voraussichtlichen Ausstellungsort übte der SPD-Außenpolitiker Markus Meckel. Der sakrale Charakter eines Kirchenbaues verstärke nur die Befürchtungen Polens und Tschechiens vor einer „nationalen Gedenkstätte“ für deutsche Vertriebene, sagte Meckel dem Tagesspiegel. Das Schicksal der Vertriebenen könne nur „dialogisch mit den Nachbarn“ behandelt werden, ergänzte Meckel und warb für das von Kulturstaatsministerin Christina Weiss geplante „Europäische Netzwerk für Erinnerung und Solidarität“.

Der ehemalige SPD-Generalsekretär Peter Glotz, der gemeinsam mit der BdV-Präsidentin der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen vorsitzt, forderte eine öffentliche Förderung für das Projekt. Für Unterhaltskosten und Marketingmaßnahmen brauche man „staatliches Geld“, sagte Glotz. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schloss staatliche Hilfen dagegen aus. Gegen einen privat finanzierten Ort könne man allerdings „nichts ausrichten“, sagte Wowereit dem Tagesspiegel.

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