Politik : Zerstörte Buddha-Statuen: Taliban stolz auf Trümmer

Elke Windisch

Die Taliban haben ganze Arbeit geleistet. Von den beiden etwa 1 500 Jahre alten Buddha-Statuen im Fels des afghanischen Hindukusch sind nur noch Umrisse erkennbar. "Wir haben 20 Tage gebraucht, um die Statuen zu zerstören" sagte ein Taliban-Vertreter während eines offiziellen Pressetermins vor den Trümmern des Kulturdenkmals. Lediglich der Ellbogen der kleineren Buddha-Statue war noch auszumachen. Augenzeugen berichteten, die Taliban hätte auch Wandmalereien in nahegelegenen Höhlen und in einem verlassenen buddhistischen Kloster zerstört.

Hintergrund:
Stichwort: Die Buddha-Statuen von Bamiyan Die Taliban begannen ihren Siegeszug 1994 mit Hilfe Pakistans

Anfang März hatte die Taliban-Führung ein Dekret verabschiedet, das die "Götzenbilder" zur Beleidigung Allahs erklärte: Nur dieser sei anbetungswürdig, die Statuen in der zentralafghanischen Provinz Bamian und die mehrere Hundert Einzelstücke umfassende Skulpturensammlung im Nationalmuseum in Kabul würden daher gesprengt. Zwar hatte sich die internationale Öffentlichkeit, neben der Unesco auch die Konferenz islamischer Staaten, sofort um die Rettung der Kunstwerke bemüht. Dennoch meldeten russische Agenturen bereits am 9. März den Beginn der Attacke.

Dem Ansehen Afghanistans, so der ehemalige Ministerpräsident der 1995 von den Taliban gestürzten Kabuler Regierung, der im Iran lebende Gulbeddin Hekmatyar, sei dadurch schwerer Schaden zugefügt worden. Es sei jedoch bedauerlich, dass sich die Weltöffentlichkeit erst nach dieser Barbarei wieder an das von einem über zwanzigjährigen Bürgerkrieg verheerte Afghanistan erinnere.

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