Politik : Zerstörungen im Zentrum nach Ausweisung eines Türken

Bei schweren Ausschreitungen in der Kopenhagener Innenstadt sind in der Nacht zum Montag mehrere Straßenzüge verwüstet worden. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich daran etwa 150 maskierte Jugendliche im Stadtteil Nörrebro. Sie zerstörten zahlreiche Schaufensterscheiben, kippten Autos um, setzten sie in Brand, griffen Polizeikräfte mit Pflastersteinen an und schlugen mit Eisenstangen auf Fotografen ein.

Als Auslöser des Gewaltausbruchs wurden im Rundfunk Proteste gegen die bevorstehende Ausweisung eines 23 Jahre alten Türken genannt. Er soll nach Verbüßung einer Haftstrafe in die Türkei abgeschoben werden, obwohl er als Kind von Einwanderern seit der Geburt in Dänemark gelebt hat.

Am frühen Morgen löste die Polizei der Hauptstadt die Gruppe mit massivem Einsatz von Tränengas auf. Es gelang ihren Angaben zufolge nicht, mutmaßliche Straftäter festzunehmen. Augenzeugen berichteten, dass die Mehrzahl der Beteiligten aus Einwanderer-Familien kam.

Justizminister Frank Jensen verlangte am Montag ultimativ eine Erklärung von der Kopenhagener Polizeiführung darüber, warum sie erst anderthalb Stunden nach Beginn der Ausschreitungen aktiv wurde. Die Maskierten schlugen mit Eisenrohren nach Fotografen und zündeten ein mit einem Fahrer besetztes Auto an. Ein Polizeisprecher erklärte, dass sich die Krawallmacher die Ausschreitungen in Nörrebro "sehr gut" vorbereitet hätten.

Zuletzt hatte es in diesem Stadtteil 1993 nach einer dänischen Volksabstimmung über den Eintritt des Landes in die Europäische Union schwere Straßenkämpfe zwischen der Polizei und Angehörigen der Kopenhagener Autonomenszene gegeben. Dabei schossen Polizeikräfte mit Pistolen auf Demonstranten, nachdem diese sie eingekesselt und mit Pflastersteinen angegriffen hatten.

Vertreter konservativer Parteien kritisierten am Montag, dass die Jugendlichen eineinhalb Stunden ungestört unterwegs gewesen seien, ehe die Kopenhagener Polizei eingriff. Justizminister Jensen verlangte von den Sicherheitskräften eine rasche Aufklärung. Das Verhalten der Demonstranten sei "völlig inakzeptabel", sagte er im Rundfunk. "Wir erlauben das nicht und werden es in Zukunft nicht tolerieren." Zur Kritik am späten Eingreifen gegen die Krawallmacher verlautete aus Polizeikreisen, man habe erst "ausreichend starke Kräfte" formieren müssen.

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