Politik : Zimmer frei am Wolfgangsee

Wenn Schröder nicht nach Italien reist – wohin dann? Last-Minute kann sich ein Kanzler nicht leisten

Markus Feldenkirchen

Wenn Gerhard Schröders Reihenhaus-Nachbar kurzfristig sein Urlaubsdomizil wechseln will, dann geht er einfach zum Last-Minute-Schalter und – schwups – findet der Urlaub eben woanders statt. Bei Gerhard Schröder selbst sind Spontanreisen etwas kniffliger. Denn wo immer der Kanzler zu plantschen gedenkt, muss zunächst ein Voraustrupp an Sicherheitsleuten des BKA Pool und Umgebung inspizieren – mit einigem Vorlauf. Last-Minute impossible.

Insofern war es schon riskant von Schröder, so plötzlich mit der Absage seines für Mitte Juli geplanten Italienurlaubs zu drohen. Oder eben sehr selbstlos. Denn der Kanzler habe sich vor seine Landsleute stellen wollen, sagen sie in Schröders Amt. Das hat er am Montag getan und den italienischen Tourismusstaatssekretär Stefano Stefani in die Schranken gewiesen. Schließlich hatte Stefani die Deutschen „einförmige, supernationalistische Blonde“ genannt, die „lärmend“ über Italiens Strände herfielen. Über den EU-Abgeordneten Schulz sagte er, der sei vermutlich mit „Bier-und Pommes- Frites-Gelagen sowie Rülpswettbewerben“ aufgewachsen. Zum Glück ist das nicht nur dem Kanzler übel aufgestoßen.

Italiens Außenminister Frattini und Industrieminister Marzano rügten die Rüpelei prompt, die „in keiner Weise die Auffassung der Regierung“ wiedergäben. „Mit Befriedigung“ habe man die Distanzierung zur Kenntnis genommen, erklärte Regierungssprecher Anda am Dienstag. Schröders Urlaub im Haus des Künstlers Bruno Bruni in den Hügeln von Pesaro steht damit im Prinzip keine Beleidigung mehr im Wege. Aber eben nur im Prinzip. Denn mit Rückzügen der Berlusconi-Administration sind sie in Berlin vorsichtig geworden. Man weiß ja nie, wie lange sie gültig sind.

So wird man sich bei Kanzlers vorsichtshalber weiter Gedanken über Urlaubs-Alternativen machen. Orte, an denen die Schröders schon mal waren, wären sicherheitstechnisch weniger problematisch hieß es. Offenbar wurde zwischenzeitlich auch ein Heimaturlaub im Garten des Hannoveraner Reihenendhauses erwogen. An Angeboten mangelt es jedenfalls nicht. Da ist zunächst die Offerte von Stefani selbst, der sich für seine Äußerungen am Dienstag zwar nicht entschuldigen wollte, dafür aber den Kanzler an den Gardasee einlud. Und in St. Gilgen am Wolfgangsee, so heißt es, wären sie auch ganz happy, wenn endlich mal wieder ein deutscher Spitzenpolitiker ums Weiße Rössl schlendern würde. Denn seit einiger Zeit kommt selbst Helmut Kohl nicht mehr vorbei.

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