Zivilcourage : Sachsen-Anhalt dankt Helfer für Courage bei Nazi-Angriff

Das Land Sachsen-Anhalt hat sich bei einem mutigen Bürger bedankt, der im April einschritt, als ein junger Israeli in Laucha von einem Neonazi attackiert wurde. Rechtsextremismus ist in der Stadt ein großes Problem.

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Die Geste geht über die üblichen Bekundungen zu Zivilcourage hinaus. Der Staatssekretär des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt, Rüdiger Erben (SPD), hat sich am Donnerstag im Rathaus der Kleinstadt Laucha im Namen des Landes bei einem 28-jährigen Mann bedankt, der das Opfer eines rechtsextremen Überfalls gerettet hatte.

Mario Träbert, ein ehemaliger Krankenpfleger, war am 16. April in Laucha in seinem Wagen unterwegs, als er sah, dass ein Jugendlicher von einem Mann zusammengeschlagen wurde. Bei dem Opfer handelt es sich, wie berichtet, um einen 17-jährigen Israeli, den der angreifende Neonazi als „Judenschwein“ beschimpfte, schlug und trat. Träbert schrie den Täter an, der von seinem Opfer abließ. Der Israeli flüchtete sich in den Wagen Träberts, der beschleunigte und wegfuhr. Der Neonazi rannte noch hinterher.

Erben sagte zu Träbert, mit der Belobigung wolle man zeigen, „für Ihren Mut haben Sie den Rückhalt des Landes, der Polizei, der Kommune“. Das sei auch angesichts der Familiengeschichte des jüdischen Opfers wichtig. Viele Angehörige seines Großvaters mütterlicherseits wurden im KZ Auschwitz ermordet. Der Großvater väterlicherseits war einer der israelischen Sportler, die 1972 beim Angriff palästinensischer Terroristen auf die Olympischen Spiele in München starben.

Der Staatssekretär sagte auch, die Belobigung sei „ganz besonders in Laucha“ wichtig. Bei den Kommunalwahlen 2009 bekam die NPD 13,5 Prozent und zwei Sitze im Stadtrat. Ein Mandatsträger ist Lutz Battke, den die Regierung vom Posten des Bezirksschornsteinfegermeisters entfernen will. Battke trainiert auch Kinder im Verein BSC 99 Laucha – dort spielt ebenfalls der Neonazi, der den Israeli angriff. „Über 90 000 Sportvereine in Deutschland kommen ohne Rechtsextremisten als Trainer aus“, sagte Erben, „warum sollte das nicht auch in Laucha gehen?“ Die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt fordert schon länger, Eltern aus Laucha sollten ihre Kinder nicht mehr zum Training des BSC 99 schicken, bis Battke dort seines Postens enthoben werde.

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