Politik : Zivis auf der Warteliste

Isabella Kroth

Für Zivildienstleistende werden die Plätze rar. Die Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer warnt auf ihrer Homepage: „Fast alle Zivi-Plätze bis Sommer 2003 schon belegt.“ Schuld an dem Engpass sollen die Wohlfahrtsverbände sein. „Die haben die Vergabe von Zivildienststellen falsch geplant“, bemängelt der Vorsitzende der Zentralstelle, Ulrich Finckh. „Schon von Beginn des Jahres an wurden viel zu viele Zivis eingestellt, mehr als eigentlich möglich gewesen wäre.“ Denn der Etat für Zivildienstleistende ist knapp dieses Jahr, seit die Bundesregierung beschlossen hat, dort 100 Millionen Euro einzusparen. Zu knapp für viele Wohlfahrtsverbände. Die Diakonie beispielsweise, die jährlich knapp 30 000 Zivi-Stellen anbietet, musste allein seit Mitte Februar 3 000 Bewerber auf die Warteliste setzen. Auf Finckhs Vorwurf kontert Pressesprecher Miguel Schaar: „Die Kürzung des Etats ist uns zu spät mitgeteilt worden, jetzt fehlen Mittel, mit denen wir gerechnet hatten.“

Damit steht die Diakonie nicht alleine. Die Folge: Ab Juni können bei allen deutschen Wohlfahrtsverbänden nur noch 57 000 Zivildienstleistende eingestellt werden, bislang waren es 123 000. Finckh sieht darin vor allem ein Problem „für diejenigen, deren Studium oder Ausbildung sich nach hinten verschiebt“. Wer unter 25 Jahren ist und immer noch nach einer Zivi-Stelle sucht, für den kann auch die Suche nach einer Berufsstelle problematisch werden. Denn bis zu diesem Alter ist man noch einberufbar – und damit ein Risiko für den Arbeitgeber. Die Diakonie befürchtet Lücken bei der Altenpflege: „Nun kann es sein, dass ältere Menschen eine Stunde früher schlafen gehen müssen oder ihr Spaziergang entfällt.“

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