Zoll-Eklat : Reederei stoppt Fahrten nach Polen

Wegen eines Streits um Zollkontrollen haben polnische Grenzbeamte in der Ostsee Warnschüsse auf einen deutschen Ausflugsdampfer gefeuert. Die Adler-Reederei stellte ihre Fahrten nach Polen vorläufig ein.

Heringsdorf/Bansin - Es würden weitere Übergriffe der polnischen Zöllner befürchtet, sagte ein Reedereisprecher in Bansin. Zwei Tage zuvor sollen erstmals Schüsse gefallen sein, mit denen die polnischen Behörden eine Durchsuchung des Ausflugsschiffes erzwingen wollten. In der Vergangenheit hatte es nach Reedereiangaben bereits mehrfach Konfiszierungen des gesamten Zigarettenbestandes wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten gegeben.

Die genauen Ereignisse am Dienstag während der Fahrt der "Adler Dania" sind weiter unklar. Bei der Einfahrt nach Swinemünde sei der Kapitän des Schiffes unterrichtet worden, dass drei nicht uniformierte Personen Zugang zu gesperrten Schiffsbereichen verlangten. Die Besatzung sei aufgefordert worden, die Spirituosenbestände an Bord für eine Konfiszierung zusammenzustellen. Es sei ein nur in polnischer Sprache ausgestellter Ausweis, nicht aber ein Durchsuchungsbefehl oder ein internationales Dokument gezeigt worden, sagte der Reedereisprecher. Daraufhin habe der Kapitän die Regeln des Internationalen Sicherheits-Codes ISPS befolgt und zum Schutz für Schiff und Besatzung Richtung Deutschland abgedreht.

Schüsse oder Warnraketen?

Verfolgt von der polnischen Küstenwache sollen nach Passagierberichten Schüsse über das Schiff, nach Aussagen des polnischen Zolls jedoch lediglich zwei grüne Warnraketen abgefeuert worden sein. Verletzt wurde niemand, die "Adler Dania" legte anschließend unversehrt in Heringsdorf an, wie der Reedereisprecher sagte.

Die "Adler"-Reederei rechtfertigte ihre Entscheidung damit, dass die Zöllner die Spirituosenbestände wie bereits öfter in der Vergangenheit konfiszieren wollten. 2004 seien 180.000 Zigaretten, 2006 sogar 380.000 Zigaretten ohne Begründung von Beamten in Zivil kassiert und jeweils in privaten Pkw abtransportiert worden. (tso/ddp)

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