Zoni Weisz, Vertreter der Sinti und Roma : "Geschichte wiederholt sich"

Der Bundestag hat in der traditionellen Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Auschwitz-Befreiung an die Verantwortung Deutschlands für den Holocaust erinnert.

Berlin - Mit Zoni Weisz sprach erstmals ein Vertreter der Sinti und Roma dazu als Zeitzeuge im deutschen Parlament. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesratspräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, nahmen an der Veranstaltung teil.

Weisz beklagte in seiner Rede, der Völkermord an den Sinti und Roma sei ein „vergessener Holocaust“. Mit Blick auf Schilder mit der Aufschrift „Für Zigeuner verboten“ in Ungarn mahnte er: „Die Geschichte wiederholt sich.“ „Menschenunwürdig“ sei es, wie die Sinti und Roma etwa in Rumänien, Bulgarien, Frankreich und Italien noch immer behandelt würden. Weisz forderte eindringlich mehr Rechte für seine Volksgruppe: „Es kann und darf nicht sein, dass ein Volk, das durch die Jahrhunderte hindurch diskriminiert und verfolgt worden ist, heute – im 21. Jahrhundert – immer noch ausgeschlossen und jeder ehrlichen Chance auf eine bessere Zukunft beraubt wird“, sagte er. Diskriminierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung seien an der Tagesordnung. Die Gesellschaft habe nichts aus den Verbrechen der Nationalsozialisten gelernt, „sonst würde sie heute verantwortungsvoller mit uns umgehen“, sagte er.

Abgeordnete des Bundestags äußerten sich nach der Rede von Weisz bewegt. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Patrick Meinhardt, sagte, die Rede gehöre in jeden Geschichts- und Politikunterricht: „Bildung heißt, sich zu erinnern und so junge Menschen über menschenverachtenden Extremismus aufzuklären.“ Die Fraktionschefs der Grünen, Renate Künast und Jürgen Trittin, erklärten, es sei „besonders beschämend“, dass die Sinti und Roma „auch heute noch ständig Opfer von Diskriminierung und Rassismus sind“, nachdem Sinti und Roma „nach den Juden eine der am schlimmsten von der gnadenlosen Ausrottungsmaschinerie der Nazis betroffenen Gruppen“ gewesen seien.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gab zu, dass die Ermordung einer halben Million Sinti und Roma lange Zeit „außerhalb des öffentlichen Bewusstseins“ geblieben sei. Auch heute noch fühlten sich viele Sinti und Roma diskriminiert und stigmatisiert, „auch in Deutschland“. Den Auftritt von Weisz wertete er als „Zeichen der Versöhnung“.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) plädierte für eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung des Holocaust. Worte allein reichten nicht aus, um das unermessliche Leid der Opfer und den Schmerz der Hinterbliebenen zu beschreiben, eine umfassende wissenschaftliche Erforschung sei daher von zentraler Bedeutung. dapd/Tsp

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