Politik : Zu Besuch bei der NPD

FU-Soziologe Rabehl versteht sich mit den Extremisten

Dresden/Berlin - Die Herren schienen sich prächtig zu verstehen. Als die Pressekonferenz vorbei war, wollte ein Fotograf ein Bild von Peter Marx und Bernd Rabehl machen. Die beiden Herren waren gerne dazu bereit. Kein Problem, sagten sie. Dann reichten sie sich die Hand und lächelten. Der Berliner Soziologe Rabehl hatte zuvor hinter verschlossenen Türen im Dresdner Landtag bei der Fraktion der rechtsextremen NPD einen Vortrag gehalten. Auf der Pressekonferenz sollte es um die NPD und den Bundestagswahlkampf gehen. Aber es ging natürlich auch um Rabehl. Nach dem Motto: Wenn ein veritabler Professor aus Berlin so nett mit der NPD plaudert und sich mit denen einlässt, kann die Partei ja so schlimm nicht sein.

Rabehl wurde von Wahlkampfleiter Marx vorgestellt als ein Beispiel für „politische Hexenjagden“ im heutigen Deutschland. Der Gastredner nickte andächtig. Der einstige Freund von Rudi Dutschke hatte vor kurzem der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ ein Interview gegeben. Darin zeigt er Sympathie für nationale Anliegen und den NPD-Gründer. Es war nicht das erste Mal, dass er wegen Rechtslastigkeit aufgefallen ist. Rabehl sieht sich als Opfer. Das sei ein absurdes Theater und Irrsinn, wetterte er. Er solle zu einem Faschisten aufgebaut werden. Ziel auch einiger seiner Professorenkollegen sei es, ihn endgültig zu töten. Die NPD will er einfach so besucht haben, „weil das meine Pflicht ist“. Er habe sich kundig machen wollen, was das eigentlich für eine Partei sei. Eine rechtsradikale Partei? Eine Partei der Armen und Verlierer? Die NPD sei auf keinen Fall eine faschistische Partei, meinte Rabehl.

Die Deutschen seien dabei, ihre Identität zu verlieren, sagte er später. Es klang wie eine Ermunterung. Obwohl sich die NPD-Leute und Rabehl offensichtlich gut verstanden, denkt der nicht an eine Fortsetzung der Beziehung. Man werde sich aber wundern, wo er noch überall auftauchen werde, kündigte der 67-Jährige an.

Für die Freie Universität Berlin ist das Maß nun voll. Rabehls Kollegen am Otto-Suhr-Institut versuchen, ihn nach jahrelangem Streit aufgrund seiner Kooperation mit der NPD nun endgültig loszuwerden. Der Institutsrat habe am Mittwoch beschlossen, im nächsten Semester keine Lehrveranstaltung des Soziologen mehr zuzulassen, sagte der Vizedirektor und Rechtsextremismus-Experte Hajo Funke dem Tagesspiegel. Eine Gegenstimme habe es gegeben, „aus Gründen prinzipieller Liberalität“. Rabehls Äußerungen, wenn auch nicht strafbar, seien für den Rat völlig inakzeptabel. „Da werden wir nicht klein beigeben.“ Politisch ist Rabehl laut Funke „eindeutig rechtsradikal“.

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