Politik : Zu essen gibt es genug – aber nicht für alle

UN schlagen Alarm: Nach Erfolgen im Kampf gegen den Hunger Anfang der 90er Jahre hat sich der Trend nun umgekehrt

Ulrike Scheffer

Der Kampf gegen den Hunger scheint verloren. Einen anderen Schluss lässt der jüngste Bericht der UN-Ernährungsorganisation (FAO) kaum zu. Zwischen 1995 und 2001 ist die Zahl der Hungernden um 18 Millionen gestiegen. Damit hat sich der positive Trend der ersten Hälfte der 90er Jahre umgekehrt: Damals konnten 37 Millionen Menschen dem Todeskreislauf von Armut und Hunger entkommen. Verschlechtert hat sich die Situation nach Angaben der FAO vor allem in Afrika und im Nahen Osten. Aber auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion wächst der Hunger. Zehn Millionen aller Unterernährten leben in den Industriestaaten.

Weltweit leiden etwa 842 Millionen Menschen Hunger. Dabei gibt es laut FAO genügend Lebensmittel. „Aber es fehlt der politische Wille, das Hungerproblem zu lösen“, sagt FAO-Experte Günter Hemrich. So verfaulen in Afrika Lebensmittel in den Speichern der Bauern, weil Transportmöglichkeiten fehlen. „Die Regierungen investieren zu wenig in die Entwicklung des ländlichen Raums, etwa in den Straßenbau“, erläutert Hemrich.

Doch auch die Industriestaaten geben immer weniger ihrer Entwicklungshilfe für Landwirtschaftsprojekte aus. Ein fataler Fehler, wie die FAO glaubt. Denn: In den armen Ländern wächst die Bevölkerung weiter, für zusätzliche Lebensmittelimporte fehle das Geld. „Die heimische Landwirtschaft bleibt Haupternährer“, sagt Hemrich. Gerade in Afrika müsse auch die Bekämpfung von Aids verstärkt werden. „Bis 2020 könnte sonst ein Fünftel der Beschäftigten in der Landwirtschaft der Epidemie zum Opfer fallen.“

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