Politik : Zu gefährlich für den Angriff

Warum Washington Bagdad, aber nicht Pjöngjang mit Krieg droht

Ruth Ciesinger

Zum Irak findet George W. Bush deutliche Worte. Ein Schurkenstaat, der Massenvernichtungswaffen an Terroristen liefern könnte, und deshalb als Bedrohung verschwinden muss. Auf die Nordkoreakrise hingegen, die im Oktober mit dem Eingeständnis Pjöngjangs begann, an einem geheimen Atomprogramm zu arbeiten, reagiert das Weiße Haus zurückhaltend. Jetzt haben US-Geheimdienste gewarnt: Nordkorea könnte demnächst seine Wiederaufbereitungsanlage in Betrieb nehmen und bald bis zum Sommer jeden Monat eine Atombombe produzieren. Die Krise, zitiert die „New York Times“ Geheimdienstmitarbeiter, dürfe nicht länger unterschätzt werden. Anfang Januar hatte Präsident Bush gesagt, Amerika müsse „die Lehre aus den Geschehnissen auf der koreanischen Halbinsel“ ziehen – und deshalb gegen Saddam Hussein hart durchgreifen.

Allerdings unterscheidet sich die Situation in Nordkorea von der im Irak. Völkerrechtlich betrachtet verpflichtet seit 1991 eine UN-Resolution den Irak zur Abrüstung. Zwischen Nordkorea und den USA hingegen existiert mit dem Nuklearabkommen von 1994, in dem Nordkorea den Stopp seines Atomprogramms zugesagt hatte, ein bilaterales Regierungsabkommen. Außerdem wollen Japan und Südkorea, zwei Verbündete der USA und direkte Nachbarn Nordkoreas, einen Krieg verhindern. Die Raketenwerfer der nordkoreanischen Volksarmee könnten Seoul erreichen, mit Geschossen bestückt mit Milzbranderregern, wie US-Militärexperten vermuten. Langstreckenraketen könnten auf japanische Atomkraftwerke gefeuert werden. Die USA gehen davon aus, dass Pjöngjang bis zu fünf Atombomben besitzt.

Zudem ist Nordkorea weit besser gerüstet als der militärisch dezimierte Irak. Außerdem ist die Frage, wie China bei einem Angriff auf Nordkorea reagieren würde. Peking ist zwar ebenso wie Washington an einer diplomatischen Lösung der Krise interessiert, doch existiert noch aus den Zeiten des Koreakriegs ein Beistandsabkommen.

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