Politik : Zu gut für diese Umwelt - Der Wechsel im Norden (Kommentar)

bul

Die Menschen in Schleswig-Holstein hätten, das wird auch Heide Simonis nicht bestreiten, am liebsten den Wechsel gewählt. Hätte die Staatsanwaltschaft Augsburg nicht am 4. November mit ihrer Anklage gegen Walter Leisler Kiep einiges in Gang gesetzt. Nun gibt Heide Simonis den Bürgern im Norden so viel Wechsel, wie es eben geht: Fünf von neun Ministern quittieren den Dienst. Halb zog die Ministerpräsidentin sie, halb sanken sie von selbst hinab. Einer, der sich freiwillig und erleichtert zurückzieht, ist Rainder Steenblock. Dem grünen Wagner-Fan wurde vorgeworfen, er habe bei der Pallas-Havarie versagt und auch sonst eine unglückliche Figur gemacht. Letzteres stimmt ohne jeden Zweifel. Stets sorgenvoll schaute der Umweltminister drein, ehrlich gab er Auskunft über die Vorzüge - aber auch über die Schwächen rot-grüner Regierungspolitik. Er war zu offen und zu gutmütig für die Politik. Und, was in der Regel ebenfalls von Nachteil ist: Er war vor seiner Berufung ins Kieler Ministerium ein umweltpolitischer Fachmann - und er blieb es; er wurde kein richtiger Politiker. Steenblock hat seinen Abgang damit begründet, er wolle Jüngeren Platz machen. Auch das hat der gerade mal 52jährige sicher ehrlich gemeint. Man muss es nicht bedauern, aber das Scheitern von Steenblock zeigt: ein Minimum an Durchtriebenheit ist in der Politik unabdingbar.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben