Politik : Zu Hause ist schön

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Auf der Sympathieliste des Kanzlers haben einige Kandidaten die hinteren Plätze fest gebucht. Man denke an Hillu Schröder, die ihm einst das Schnitzelessen verwehrte, an Oskar Lafontaine, der ihm die Solidarität verweigerte, oder an George W. Bush, der ihm einen Amerikabesuch verwehrt. Ganz unten auf der Liste dürfte aber Kanzlerimitator Elmar Brandt stehen, der mit einer Schröder-Gummipuppe durch das Land jodelt und Deutschland sogar beim Grand Prix in Riga („Schickt Schröder nach Lettland!“) vertreten wollte. Der Kanzler hat über den Herrn Brandt nie wirklich lachen können, und seine Frau soll sogar mal etwas von „parasitärem Verhalten“ geschimpft haben.

Dieser Tage aber scheint sich doch noch eine Art Denkverwandtschaft zwischen dem Kanzler und seinem Double zu offenbaren. Da der Gummi-Schröder damals nicht nach Lettland und der echte Schröder jetzt nicht nach Italien fahren durfte, hat Brandt die Gunst der Aufregung erneut zu einem parasitären Kanzlersong genutzt. Zur Musik des Italien-Brummers „Azzurro“ besingt seine Puppe darin die Vorzüge eines Urlaubs auf Balkonien: „Zu Hause ist schön . . . warum woanders als zu Hause gehn?“ Parallel dazu ist am Freitag ein Interview im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ erschienen, in dem der echte Kanzler nicht nur mit seinem neuen Lieblingsgedicht von Heinrich Heine, sondern auch mit dem Satz zitiert wird: „Zu Hause ist es doch am schönsten.“ Ganz fremd können sich Original und Imitat wirklich nicht sein.

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