Politik : Zu viel Ausstoß - auch von Worten (Glosse)

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Die Inflation in Deutschland ist sensationell niedrig, allerdings nur beim Geld. Der Wert des Wortes hingegen nimmt beständig ab. Auch in der Politik wird immer mehr geredet, während sich die Bedeutung des Gesprochenen verringert. Wir erleben eine gefährliche Wortinflation. Gestern beispielsweise sprach Gerhard Schröder vor der UN-Klima-Konferenz in Bonn. Er gelobte, die Verpflichtungen der Bundesrepublik zur Verringerung von Klimagasen einzuhalten. Und er versicherte, man wolle zusätzliche Anstrengungen unternehmen. Und er versprach, den Verkehr mehr von der Straße auf die Schiene zu verlegen, weil ja bekanntermaßen der Straßenverkehr Klimasünder Nummer eins ist. Nun hat die Regierung gerade beschlossen, den Straßenbau stärker auszubauen als die Schiene, also das Gegenteil von dem, was der Kanzler bei der Konferenz verkündete. Außerdem warnte der Kanzler in Bonn, wer jetzt bei der Klimapolitik auf der Stelle trete, der werde die Zukunft verpassen. Derselbe Kanzler hat aber mit seinem 6-Pfennig-Diktat beim Benzin dafür gesorgt, dass die Lenkungswirkung der Ökosteuer gleich null ist. Da kann man nur froh sein, dass der Ausstoß von Worten wenig Kohlendioxyd freisetzt.

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