Zu viel Militär, zu wenig Klimaschutz : Obama verliert Ansehen – bleibt aber vor Bush

Die Zustimmung zu US-Präsident Barack Obama ist in seinen dreieinhalb Jahren Amtszeit weltweit signifikant gesunken. Die Völker ziehen daraus aber unterschiedliche Konsequenzen.

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Die Beliebtheitswerte des US-amerikanischen Präsidenten sinken rapide.
Die Beliebtheitswerte des US-amerikanischen Präsidenten sinken rapide.Foto: dpa

In Europa hoffen überwältigende Mehrheiten auf seine Wiederwahl. Muslimische Nationen sind gegen eine zweite Amtszeit für ihn. Das ergab die jährliche Umfrage des amerikanischen Pew Instituts zum Bild der USA in der Welt. 2012 wurden dafür 26 000 Menschen in 21 Ländern befragt. Weitere Resultate: Der Drohnenkrieg gegen Terrorverdächtige findet nur in den USA eine Mehrheit und stößt überall sonst auf Ablehnung. Und die meisten Nationen halten China nun für die führende Wirtschaftsmacht.

Insgesamt gelten die USA auf vielen Gebieten weiter als Vorbild, besonders im Bereich der „soft power“. Ihre relative Macht sinkt jedoch, speziell bei Fragen der „hard power“ wie Einsatz des Militärs und ökonomische Dominanz. Arabische Nationen schätzen „American ways of doing business“. Weltweit werden die USA für ihre Wissenschaft, Technik, die demokratischen Ideen und ihre Popkultur bewundert. Bei der Popkultur bilden muslimische Länder eine Ausnahme, sie lehnen sie mehrheitlich ab. Rund um die Erde ist die Zustimmung zu den USA und ihren Lebensweisen unter jüngeren Menschen zwischen 18 und 49 Jahren deutlich höher als in der Altersgruppe über 50 Jahren.

Das herausragende Beispiel für Amerikas Ansehensverlust sind die Meinungen zum Drohnenkrieg gegen mutmaßliche Topterroristen. Nur in den USA befürwortet eine Mehrheit diese neue Art der Kriegsführung, mit 62 zu 28 Prozent. Die Menschen in Europa lehnen sie mehrheitlich ab mit Werten zwischen 47 Prozent in Großbritannien und 63 Prozent in Frankreich. In Deutschland sind 59 Prozent gegen den Drohnenkrieg, 38 Prozent befürworten ihn. Dabei zeigt sich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. 54 Prozent der Männer stimmen zu, aber nur 24 Prozent der Frauen. In keinem anderen Land ist der Abstand so groß. In arabischen Ländern lehnen überwältigende Mehrheiten zwischen 69 Prozent (Libanon) und 89 Prozent (Ägypten) Drohnenangriffe ab. In Asien ist das Bild gemischt. In Indien gibt es eine relative Mehrheit für Drohnenangriffe, 32 zu 21 Prozent. Nahezu die Hälfte der Befragten hat keine Meinung dazu. Klare Ablehnungsmehrheiten zeigen Japan (75 zu 21 Prozent) und China (55 zu 25 Prozent).

Video: Politikredakteurin Andrea Dernbach zu Obamas Tötungsliste

Generell hat Präsident Obama an Zustimmung verloren. Er wird aber deutlich positiver als sein Vorgänger George W. Bush gesehen. Die Hauptgründe für die Enttäuschung über Obama: Er setze zu rasch das Militär ein, nehme wenig Rücksicht auf Partnerländer, tue zu wenig für die Umwelt und gegen Klimawandel. In EU- Staaten meinen die Hälfte bis zwei Drittel, dass die USA keine Rücksicht auf sie nehmen. In China, Indien und Brasilien sagen dagegen klare Mehrheiten, Amerika berücksichtige ihre Interessen „in hohem Maß“.

In Frankreich und Deutschland wollen rund 90 Prozent eine zweite Amtszeit für Obama, in arabischen Ländern 18 bis 27 Prozent, in Pakistan nur sieben Prozent. In China (39 zu 31 Prozent) und Mexiko (43 zu 35 Prozent) sind moderate Mehrheiten gegen eine Wiederwahl Obamas.

In den USA genießt Obama bei 61 Prozent Vertrauen. Kanzlerin Angela Merkel kommt dort auf 45 Prozent. In der EU vertrauen ihr 70 Prozent der Franzosen, 58 Prozent der Briten, 53 Prozent der Spanier, 49 Prozent der Italiener – aber nur 7 Prozent der Griechen.

Zur Studie: http://pewglobal.org

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