Politik : Zu zweit zum Dreiergipfel

Elke Windisch

Moskau - Die Bilder könnten aus einem Kitschfilm stammen: Conny, die schwarze Labradorhündin Putins, leckt dem hemdsärmeligen Schröder die Schuhe. Danach genossen Conny und beide Politiker auf dem Pier im Urlaubsdomizil des Gastgebers den Sonneuntergang über dem Schwarzen Meer. Unter vier Augen saß man dann auch bei dem anschließenden zwanglosen Abendessen zusammen. Der dritte Stuhl am Tisch blieb leer. Frankreichs Staatschef Jacques Chirac kommt erst am Dienstag früh. Der Grund: Das Ultimatum der Geiselnehmer im Irak, die mit der Ermordung zweier französischer Journalisten drohen.

Damit dürfte der Terrorismus, der schon im Vorfeld den Dreiergipfel beinahe hätte scheitern lassen, jetzt endgültig die Tagesordnung des russisch-deutsch-französischen Spitzentreffens bestimmen. Themen gibt es genug, angefangen von Afghanistan über Irak bis zu Israel. Áuch soll es um die Umbesetzungen in der Europäischen Kommission gehen und den geplanten „Europäischen Raum“ mit Beteiligung Russland.

Schröder und Chirac, von der Entwicklung der Ölpreise „zutiefst beunruhigt“, wie die „Nesawissimaja Gaseta“ schrieb, dürften allerdings auch versuchen, Russland – nach den Saudis inzwischen der weltweit zweitgrößte Ölexporteur – zu einer „stabilisierenden Intervention“ auf dem Ölmerkt zu drängen, und dafür russischen Wünschen nach weiteren Visa-Erleichterungen für dessen Bürger nachgeben. Der Schwarzmeergipfel firmiert als Arbeitstreffen unter Palmen. So lässt sich leichter über heikle Themen sprechen – Tschetschenien und die Chodorkowski-Affäre. Seit Schröder bei seinem letzten Besuch Putin jedoch sein Vertrauen in Russlands Rechtstaatlichkeit bekundete, sind die Hoffnungen hiesiger Demokraten auf kritische Worte aus dem Westen eher begrenzt. Weniger problematisch dagegen dürfte der ebenfalls geplante Meinungsaustausch zu möglichen Ergebnissen der Präsidentenwahlen in den USA und deren Folgen für Europa werden.

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