Zugreise : Merkel setzt im Wahlkampf auf die Bahn

Während SPD-Ministerinnen in den Urlaub und anschließend aus dem Wahlkampfteam ihres Kanzlerkandidaten fliegen, bewegt sich die Kanzlerin beim Werben um Wählerstimmen auf Schienen. So haben schon andere deutsche Regierungschefs ihr Amt verteidigt.

Berlin - Während Ulla Schmidt der SPD ihren Wahlkampfauftakt in dieser Woche verdorben hat, kann Angela Merkel im Urlaub in den Südtiroler Bergen ihren Kopf „durchlüften“ – so wie die Bundeskanzlerin es sich für ihren Urlaub gewünscht hatte. Dank des geklauten Dienstwagens der SPD-Gesundheitsministerin sind Streitereien in der Union über Sinn und Unsinn von Steuersenkungen längst in den Hintergrund gerückt.

Und doch wird auch in der CDU-Zentrale daran gearbeitet, was man der SPD, die an diesem Donnerstag ihr Kompetenzteam vorstellen will, im Wahlkampf entgegensetzen will. Merkel gibt sich dabei ganz staatsmännisch: Die CDU-Chefin setzt in ihrem Wahlkampf auch auf die Bahn, so wie der damalige sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt. Mit ihrer Zugreise im „Rheingold“-Express will Merkel allerdings an die erste Wahl Konrad Adenauers zum Bundeskanzler vor 60 Jahren und an 20 Jahre Deutsche Einheit erinnern.

Die Tour soll von Rhöndorf, dem Wohnort Adenauers, über Bonn und Leipzig nach Berlin gehen. An der Bahnfahrt mit dem historischen Sonderzug, die für den 15. September geplant ist, sollen auch das CDU-Präsidium und Mitglieder der Familie Adenauer teilnehmen.

Zwei Tage vorher wird Merkel nach einem Bericht im Fernsehen auf ihren Herausforderer treffen. Das TV-Wahlkampfduell sei für den 13. September terminiert worden, berichtet die „Schweriner Volkszeitung“ unter Berufung auf Regierungskreise. Eine solches Duell nach amerikanischem Vorbild hatte es in Deutschland erstmals 2002 gegeben, damals traf der sozialdemokratische Kanzler Gerhard Schröder auf den CSU-Mann und damaligen Kanzlerkandidaten der Union, Edmund Stoiber.

Auch die jüngsten Umfragewerte dürften eher die SPD-Strategen in Unruhe versetzen als die Wahlkämpfer im Konrad-Adenauer-Haus. Laut Forsa ist die Union mit 38 Prozent (plus zwei Punkte) auf ein neues Hoch geklettert. Wenn am Sonntag Bundestagswahlen wären, würde die FDP 13 Prozent erreichen (minus einen Punkt). Schwarz-Gelb hätte damit eine Mehrheit von 51 Prozent. Die SPD würde nach der Umfrage im Auftrag des „Stern“ konstant bei 23 Prozent bleiben, die Grünen zwölf Prozent erreichen. Bei der Linken würden neun Prozent der Befragten ihr Kreuz machen (minus ein Prozentpunkt).

Der Kanzlerkandidat der SPD, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, ist laut der Umfrage in der Gunst der Wähler auf einen neuen Tiefstwert gefallen. Nur 17 Prozent der Befragten würden ihn direkt zum Bundeskanzler wählen (drei Punkte weniger als in der Vorwoche). Für die amtierende Kanzlerin würden sich hingegen 58 Prozent entscheiden (plus zwei Prozentpunkte). ce

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